Ade KDE… 6

Posted by Chris on Juni 03, 2011

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Selten lasse ich mich zu  solchen Postings hinreissen. Nun ist es soweit. Nachdem ich nun seit über 10 Jahren KDE nutze (seit ca. 1999), hat das Frustlevel mit KDE 4.x (Version egal) ein unerträgliches Mass erreicht. Schade, ich wäre gerne länger optimistisch gewesen bezüglich des Projektes. Ich hoffe, dieser Artikel wird nicht zu sehr als Troll-Posting aufgefasst, ich versuche so sachlich wie möglich zu bleiben (ich bin zwar kein KDE-Entwickler, kann aber Usability und Projektleitung einigermassen beurteilen)…

Ich war wirklich ein grosser Fan von KDE, habe die Gnome-Benutzer immer belächelt, weil sie für Konfigurationen Registry-ähnliche (brrrr…) Einträge in GConf machen mussten (auch heute noch?), falls es dafür kein entsprechendes Werkzeug gibt.

Als mit KDE 4.0-4.3 bereits viele enttäuschte KDE-Benutzer absprangen, bezichtigte ich sie der Ungeduld und vermutete, dass in 6 Monaten endlich Stabilität und Klarheit bezüglich der Schnittstellen, des Designs und der Oberflächen herrschen würde: Ich habe mich geirrt. Es sind mehr als 3 Jahre seit Version 4.0 vergangen, ich habe wirklich genug Geduld bewiesen. Leider ist weder die Stabilität, noch die Funktionalität auch nur annähernd an die Versprechungen der Entwickler herangekommen. Als Benutzer frisst mir KDE einfach zuviel Zeit und Ressourcen und kostet mich immer mehr Nerven.

Um nur ein paar unrühmliche Beispiele zu nennen:

  • Plasma-Abstürze (diese treten je nach Grafikkarten-Treiben häufiger oder seltener auf, aber sie treten auf)
  • Der “semantische Desktop” mit Nepomuk/Strigi => Zweimaliger Backendwechsel (alle Tags und Indizes konnte man vergessen oder nur mit grossem Aufwand migrieren) und immer noch kein funktionierendes Frontend, abgesehen von ein paar unintuitiven Dolphin-Buttons. Kurz gesagt: Sogar die Windows-Indizierung oder der Google-Desktop-Search funktionieren besser.
  • Akonadi (Datenprovider)=> immer noch nicht vollständig integriert, nicht mal in KMail! Immerhin ist der Akonadi-Dienst heute stabil und zuverlässig.
  • ALT+F2 (KRunner) war in mehreren Versionen instabil, brauchte Minutenlang, um Nepomuk oder werweisswas abzufragen und stürzt auch heute noch unregelmässig ab.
  • Für mich sehr unverständlich: Das eigentlich geniale Konzept der Aktivitäten wurde niemals richtig brauchbar eingeführt. Dabei hätte man in Verbindung mit den virtuellen Deskstops Einiges erreichen können. Aber es ist bis heute nur den wenigsten Benutzern klar, das es Aktivitäten gibt geschweige denn, wie man sie nutzen oder konfigurieren kann (die Konfiguration wird sehr gut versteckt).
  • Die Systemkonfigurationswerkzeuge sind immer chaotischer organisiert und bezeichnet (wer sucht das Tastaturlayout schon unter “Input Devices”?)
  • Abstürze in KMail, amarok und vielen anderen Applikationen. Auf das von KDE verwendete QT-Framework sind die Abstürze kaum zurückzuführen, denn reine QT-Applikationen scheinen in der Regel sehr stabil zu arbeiten.
  • Desktopeffekte: Tolle und gutaussehende Effekte, nur fehlt ein einheitliches Konzept. Der Benutzer ist ganz auf sich gestellt, die für ihn nützlichen Komponenten einzurichten. Ausserdem auch hier: Noch viel zu viele Abstürze, wenn man “ungewöhnliche” Mausbewegungen o.ä. macht, während ein Effekt in Kraft ist. Heute kann man kaum noch jemanden mit den tollen KDE-Desktopeffects beeindrucken, wenn sie nur zur Hälfte funktionieren wegen Treiberproblemen oder gar abstürzen, wenn man sie gerade einem Kollegen zeigen möchte ;-)

Dies sind auch in den meisten Foren so etwa die am häufigsten bemängelten Punkte.

Bei KDE merkt man seit einigen Jahren, dass die Projektleitung chaotisch ans Werk geht, Entwickler Aaron Seigo ignoriert seit Jahren die unzähligen Kommentare in seinem Blog und den KDE-Foren, in denen die Benutzer einfach nur Stabilität, weniger Abstürze und weniger Bugs fordern, wenn er und andere Entwickler schon wieder mit den nächsten Features auftrumpfen, während grundsätzliche Attribute noch nicht mal stabil funktionieren. Sebastian Kügler indes kündigt bereits die Betaversion von KDE 4.7 an. Auch dort viele Kommentare, dass Version vor 1.0 (1998) stabiler war, als es 4.x je war usw. Je länger die Benutzerklagen bezüglich der mangelnden Stabilität von KDE 4 ignoriert oder beschwichtigt wurden, ohne dass es spürbare Verbesserungen gab (es gab sie, aber nur für Benutzer, die in der Lage waren, immer die neuesten Versionen zu installieren), desto ungeduldiger und drängender wurde natürlich deren Ton. Mittlerweile werden sogar Kommentare gelöscht, weil sie sich im Ton ganz vergreifen, schlecht bewertet und als “Trollpost” bezeichnet. Das deutet auf Schwierigkeiten hin, die sich längerfristig auswirken dürften. Sehr schade, denn es geht hier viel Vertrauen verloren, das doch so wichtig ist für Softwareprodukte.

Was tun? Noch bis Ende letzten Jahres gab es für mich kaum eine Alternative, denn KDE hat unbestritten viele tolle Applikationen und Gnome 3 steckte scheinbar noch etwas in den Kinderschuhen.

Mit dem Release von Fedora 15 sollte Gnome 3 in brauchbarer Form vorliegen. Mit grösster Skepsis stattete ich diesr Desktopumgebung einen Besuch ab. Kurz und gut: Ich war von Anfang an begeistert! Schon mit einer so frühen Release haben die Gnome-Entwickler ein absolut stabiles und benutzbares Produkt abgeliefert! Natürlich sind noch nicht alle Applikationen und Systemkomponenten migriert worden, aber das Projekt scheint sehr gut voranzukommen. Das alte Gnome hat mir nie gefallen, zu altbacken und kaum konfigurierbar. Doch genau dieser “Mangel” an Konfigurationsmöglichkeiten scheint bei Gnome 3 gut in das Gesamtkonzept zu passen. Die Gnome-Shell ist zwar gewöhnungsbedürftig, aber sie stellt nach kurzer Zeit sogar jede Mac-Oberfläche in den Schatten. Warum? Weil man sich auf die Arbeit mit den jeweiligen Applikationen konzentrieren kann und weil die verwendeten Effekte auf den Workflow ausgelegt sind und praktisch nie abstürzen. Auch wenn ich hoffe, dass ich in Zukunft mehr konfigurieren kann (z.B. gespeicherte Sessions, in welchen die Applikationen auf zugewiesenen Desktops starten), fehlt mir im Moment nichts. Ich kann es vielleicht in die Worte fassen: Es fühlt sich alles von Anfang an richtig an, die meisten Kommandos entdeckt man intuitiv (z.B. das Navigieren in den Desktops, das Aufrufen der Gnome-Shell etc.), die Projektleitung scheint zu wissen, was das Ziel ist und das merkt man. Vielleicht erweisen sich nun die höheren Einstiegshürden in die Gnome-Entwicklung als Vorteil, weshalb Gnome-Entwickler unter Umständen etwas “reifer” und zurückhaltender sind mit Features, die dem Workflow nicht wirklich helfen.

Man darf mich also seit dieser Woche als Gnome3 (oder Gnome-Shell?) Benutzer bezeichnen. Ich kann sagen, die Migration ist mir viel leichter gefallen, da ich nur in einem Drittel der Zeit dasselbe erreichte, wie mit einer neuen KDE-Installation: Evolution ist viel stabiler geworden (stabiler als KMail war es schon immer) und es hilft einem beim Einrichten von Googlemail-IMAP-Accounts. Ausserdem integriert es Google-Kalender sauber, genauso wie Google-Kontakte uvm. Im Büro nutze ich Evolution sogar mit unserem Exchange-Server (inkl. GAL) ohne Probleme. Soweit so gut.

Nochmals: Bitte versteht mich nicht falsch, die KDE-Entwickler sind Profis und viele Applikationen möchte ich nicht mehr missen (obwohl die Anzahl schrumpft aufgrund zunehmender Abstürze). QT ist und bleibt ein geniales Framework, dass ich jederzeit GTK vorziehe, um kleine Applikationen zu entwickeln. Auch werde ich weiterhin mit Spenden die einzelnen Projekte unterstützen. Nur bezweifle ich mittlerweile offiziell, dass die Projektleitung dazu fähig ist, dieses Boot wieder in ruhigere Gewässer zu lenken. Nach der Lektüre von Frederick P. Brooks “The Mythical Man-Month”, Peter Seibel’s “Coders at Work” und anderen Materialien über vergangene Grossprojekte im Softwarebereich deutet für mich Vieles darauf hin, dass KDE4 niemals stabil werden wird. Als Entwickler muss man sich dann überlegen, ob nicht ein kompletter Neuanfang das Beste wäre. Als Benutzer hat man glücklicherweise mit Gnome 3, XFCE usw. brauchbare Alternativen.

[1] KDE Systemsettings: http://www.pro-linux.de/artikel/2/image/1496/4107,die-systemsettings-in-kde-46-sind-endlich-wieder-uebersichtlich.html
[2] Aaron Seigo’s Blog: http://aseigo.blogspot.com/
[3] Ankündigung KDE 4.7: http://dot.kde.org/2011/05/25/kde-ships-first-47-beta

Swisscom Digital TV im Geek-Kurztest 3

Posted by Chris on August 16, 2010

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Nachdem ich in diesem Bereich nicht den sogenannten “Early-Adaptor” spielen wollte, sondern mehr als fünf Jahre gewartet habe, war ich nach Besuchen bei Freunden sehr schnell überzeugt, dass digitales TV heute gut brauchbar ist. Überall war Cablecom TV im Einsatz, aber ich habe meine Erfahrungen mit der Firma gemacht und entschloss mich nach kurzen Preisvergleichen (was kostet es mich insgsesamt, wenn ich den SciFi-Kanal haben will?). Ausserdem dauerte mir den Senderwechsel (auch bei Leuten mit 20Mbit Bandbreite) zu lange. Nach fünf Tagen war es schon soweit: Ich installierte die viel zu grosse Box und es funktionierte alles auf Anhieb. Diese Box ist so gross wie eine PS3 (erste Generation!) und hat ebensolaute Lüfter und dürfte daher auch im Standby eine Menge Strom vertilgen. Meine Befürchtungen, der Senderwechsel wäre bei Swisscom ebenso langsam, stellten sich als unbegründet heraus. Ich zappe über die Box schneller als mit dem Fernseher selbst (Philips, ca. 4 Jahre alt, braucht ca. 1,2 Sekunden zum Senderwechsel).

Die TV-Box: Ja, auch 2010 ist sie noch so riesig!

Meine knappe Beurteilung der beworbenen Features:

  • Die Bildqualität ist in der Tat exzellent
  • Es gibt leider nicht viele HD Sender
  • Die Video on Demand Filme sind sehr einfach zu handhaben und die Auswahl ist sehr gross
  • Nur wenige Sender (bei mir Disneychannel) haben erkennbare Probleme mit Kompressionsartefakten
  • Gute Auswahl Radiostationen / Internetradio

Und hier die Geek-Infos:

  • Ein HD-Film benötigt 7 MBit. Diese Bandbreite sollte man immer abziehen, also lohnt sich praktisch nur eine Leitung mit mehr als 10 Mbit, weil sonst vermutlich mehr Kompressionen (und dadurch mehr Artefakte => schlechtere Bildqualität) verwendet werden.
  • Man kann Serien (wie StarTrek) sehr einfach und komfortabel aufnehmen, obwohl ich teilweise Zeitverschiebungen bemerkt habe.
  • Die TV-Box ist älterer Machart und das merkt man: Windows CE (3 Abstürze bisher, Startzeiten bis zu 4 Minuten möglich), Festplatte mit 160GB (könnte schlimmer sein, es reicht für einige Filme und Serien)
  • Die Box hat kein WLAN (weshalb vernünftigerweise auch ein 15 Meter LAN-Kabel mitgeliefert wird)!
  • Im Gegensatz zum Betriebssystem der Box scheint die eigentliche TV-Software recht ausgereift zu sein (wobei komfortablere Suchfunktionen wünschenswert wären, diese sollen gem. Swisscom im Dezember etwas besser werden)
  • Alle Sender-, Such- und Programmierfunktionen sind online verfügbar, was komfortabler in der Bedienung ist. Nur leider ist die Webseitenstruktur von Swisscom nicht gerade übersichtlich und man benötigt verschiedene Logins in div. Bereichen (Swisscom-Login hier, Modem-Login da…)

Alles in allem ist digitales Fernsehen das TV, wie es schon immer hätte sein sollen: Jeder kann praktisch zu jeder Zeit genau die Inhalte anschauen, die er möchte und kann die Werbung überspringen (leider fehlt eine automatische Werbeblockfunktion). In ungeübten Händen jedoch besteht natürlich die Gefahr des “Verzappens”. Genau dies haben wir uns in 12 Monaten ohne Fernsehen abgewöhnen können. Wenn ich also Lust habe, Jazz zu hören oder StarTrek zu schauen, so muss ich nicht erst alle Sender durchsuchen oder auf den Zeitpunkt warten, sondern habe die entsprechenden Inhalte praktisch sofort zur Verfügung (Spartensender oder Serienaufnahme). Dadurch spart man tatsächlich Zeit und schaut viel entspannter und besser gelaunt (keine Werbung!) fern.

[1] Senderliste Swisscom: http://www.swisscom.ch/res/tv/sender/index.htm

Distributions-Test Nr. 9: *** PCLinuxOS 2010 *** 4

Posted by Chris on Juli 09, 2010

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Drei Jahre ist es her, seit ich PCLinuxOS das letzte mal getestet habe. Mittlerweile kenne ich auch die ihm zugrunde liegende Distribution Mandriva sehr gut. Ich war damals auf Anhieb begeistert, wie einfach eine gut durchdachte Desktop-Distribution sein kann, wenn die Macher sich wirklich auf das Wichtigste Konzentrieren: Die Zeit, die ein Benutzer für seine Tätigkeiten benötigt.

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KDE 4.4.0 ist da: ein erster und ein zweiter Blick…

Posted by Chris on Februar 26, 2010

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Kaum wurde KDE SC 4.4.0 (SC steht für Software Compilation, seit ein paar Wochen nennt sich KDE so, weil es doch langsam viele Software aus dem Projekt gibt) und schon stehen für Fedora 12 die Pakete bereit. Natürlich rechnete ich mit Kinderkrankheiten, denn ein KDE 4-Release war noch nie “Produktionsreif” sondern eigentlich immer Beta. Das ist nun mal so, wen das stört, der soll doch testen und helfen, damit sich das ändert.

Auf jeden Fall wurde KDE schlanker, was die Fensterdekoration angeht. Es gibt einen Formfaktor-Umschalter, der bei mir aber zuerst einmal den kwin-Prozess abstürzen liess.  Ein Erlebnis, welches sich unter verschiedensten Umständen wiederholen sollte. Die Intention des Umschalters ist jedoch durchaus klar, denn bei Netbooks kommt ein ganz anderes Prinzip zum tragen als bei Desktops:

Systemsettings Formfaktor

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Distributions-Test Nr. 8: *** FreeNAS *** 3

Posted by Chris on Dezember 30, 2009

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OK ausnahmsweise, weil Feiertage sind, auch mal eine Nicht-Linux-Distribution auf dem Prüfstand. Nämlich FreeNAS, eine hochspezialisierte BSD-Unix-Variante mit einem NAS-Server, wie der Name ja schon andeutet, der als Live-Image oder “installierbares Image” gebraucht werden kann.

Der Grund, weshalb ich auf FreeNAS kam, war, dass ich meine vielfältigen Heimnetz-Services, die sich über die Jahre in meinen virtuellen CentOS’s angesammelt haben, konsolidieren wollte. Mit einem NAS (Network Attached Storage, also Diskplatz, der über verschiedene Dienste im Netz auf vielfältige Weise nutzbar gemacht wird) und einer Weboberfläche ist dies einfach lösbar und macht mehr Spass als “nur” mit einer Hardware-Appliance, die teuer ist, keine offene Software hat und meist auch weniger Services anbietet.

Herkunft / Ursprung

FreeNAS ist ein kleines FreeBSD und wurde von Olivier Cochard und Volker Theile geschaffen. Heute besitzt iX-Systems FreeNAS, aber es wird natürlich als Opensource-Projekt weitergeführt.

Wichtigste Daten in Kürze:

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