Ach, Demokratie ist doof….

Posted by Chris on August 05, 2011

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…dachte sich Christoph Blocher und versucht, mit anderen Superreichen, das doofe Volk erstmal auszuschalten, um ihre alten Ziele zu erreichen: Noch weniger Steuern für Reiche und Grossunternehmen, möglichst kein Verursacherprinzip mehr, Anrzeize zum Erhöhen des Stromkonsums, Atom-Ausstieg-Ausstieg etc.etc. Wie soll das funktionieren, das Volk würde doch bestimmt diesen finsteren Ansinnen per Referendum eine Abfuhr erteilen? – Ganz einfach, das Zauberwort heisst “Dringlichkeitsbeschluss“, ein Referendum ist unmöglich, punkt aus. Wer sich darunter nichts vorstellen kann: Erinnert Euch an den Oktober 2008, als “wir” den Grossbanken plötzlich 60 (und mehr) Milliarden in den Allerwertesten schoben. Abgesegnet aus lauter Angst, dass es bald keine Banken mehr gäbe, Kriegsrecht ausgerufen würde und was weiss ich alles diesen Angstpolitikern noch so vorschwebt. Was mich persönlich angeht, hätten wir durchaus den Mut aufbringen sollen, die Banken sich selbst zu überlassen, ein derart fragiles System dürfte ohnehin keine Überlebenschancen haben, auch wenn man es länger am Leben halten kann, indem man es mit dem (noch nicht verdienten) Geld und der (noch nicht geleisteten) Arbeit der kommenden zwei (oder mehr?) Generationen stützt…

Das Ergebnis des Ganzen kennen wir alle: Die reichsten 1% wurden noch viel reicher, während alle anderen viel Geld verloren haben (ob direkt oder indirekt via Pensionskasse oder zukünftigen Auswirkungen, wir alle haben derzeit 10-20% weniger Mittel als vor der Krise). Zudem haben alle Bonus-Diskussionen haben überhaupt nichts gebracht. _Jede_ Massnahme, die irgendeine Regierung einführte, um die exorbitanten, durch nichts zu rechtfertigenden Boni der Manager zu begrenzen, konnte durch irgendwelche Tricks derselben umgangen werden. Heute verdienen sie mehr denn je, während die Normalverdiener nicht mal 1% mehr verdienen (Ausnahme: Kreditbranche…). Im übrigen finde ich die Initiative der Juso (Manager dürfen nur 12 mal soviel verdienen, wie der tiefste Lohn der Firma) den Gipfel der naiven Vorschläge, nach wenigen Sekunden kommen einem viele Ideen in den Sinn, wie man dies locker umgehen könnte.

Dasselbe Spiel soll sich nun wiedeholen, in leicht abgeänderter Form: die Reichen sollen nochmals ein Stückchen reicher werden, alles wieder mit Angstparolen eingeläutet, denn der Mittelstand glaubt unbeirrt weiter, dass er eines Tages zu den 1% der Menschen gehört, due 95% des Vermögens besitzen. Man muss sich eben nur genug anstrengen! Natürlich ist dies Unsinn, aber die Angst, auch nur ein kleines Bisschen Wohlstand einbüssen zu müssen, scheint selbst solch durchschaubare Manöver möglich zu machen.

Wann ist endlich Schluss damit? Nach dem Krieg gab es in den meisten westlichen Demokratien einen progressiven Steuersatz ohne irgendwelche Ausnahmen für Reiche. Nur so war es überhaupt möglich, unsere exzellenten Infrastrukturen sowie eine starke Mittelschicht zu bekommen. Irgendwann hielt aber die Gier Einzug und von Verantwortung gegenüber der Gesellschaft als Ganzes ist man immer weiter weggekommen. Man glaubte, dies sei nicht mehr nötig, da die Infrastruktur und die Mittelschicht ja da waren. Nun, beides ist derzeit am Vergammeln, sei es aus Mangel an Geld oder an Ingenieuren. Heute kann ein Mann (oder eine Frau) eben _nicht_ mehr die ganze Familie problemlos ernähren und sich ein Haus bauen. Dazu müssen schon beide Elternteile arbeiten (mit Überstunden) und kommen auch so kaum über die Runden. Ein Haus kann man höchstens noch erben oder mit geerbtem Geld bauen.

Lasst Euch nichts vormachen! Die Angst, die diese wohlsituierten Herren verbreiten wollen, ist ihre eigene! Sie wissen, dass Atomausstieg, Vernunft und soziales Denken über die eigenen Interessen hinaus heute problemlos Mehrheiten erzielen kann (tja, das ist eben der Preis, den ein gebildetes Volk fordert). Dies steht ihren eigenen Interessen natürlich diametral entgegen. Wehrt Euch, lasst Euch nicht das Recht nehmen, gegen solche Pläne das Referendum ergreifen zu dürfen!

[1] http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Starker-Franken-SVP-und-FDP-fordern-Einschnitte-beim-Staat-/story/22486934
[2] http://www.bloomberg.com/apps/news?pid=newsarchive&sid=ah0AFa2SEHhw
[3] http://www.wirtschaft.ch/Die+Grossverdiener+der+Schweiz/249736/detail.htm
[4]http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/03/04/blank/key/lohnentwicklung/nach_branche.html
[5] http://www.news.ch/JUSO+beschliessen+Managerlohn+Initiative/377521/detail.htm

 

Die EU und die Schweiz: Wen interessieren denn schon die Fakten?

Posted by Chris on Juli 13, 2011

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Es kommt immer wieder vor, dass ich Landsleuten zuhören muss, welche die Euro-Krise in einem Atemzug mit dem “Untergang des Auslaufmodells EU” nennen (aha, ein friedliches Europa ohne nationalistisches Gehabe ist also ein Auslaufmodell? Das sagt viel über die eigentliche Haltung der entsprechenden Leute aus.) Weiter fallen Stammtisch-Sprüche wie “Wir brauchen die EU nicht!”, “Die wollen uns unsere Souveränität wegnehmen und ihre Gesetze aufzwingen.” oder “Es kommen ja jetzt schon so viele Einwanderer von dort!”

Nun, sobald solche Sätze fallen, darf man natürlich einerseits getrost die Diskussion verlassen. Andererseits wäre es aber doch mal interessant, die Fakten dahinter –  Zahlen und aussagekräftige Vergleiche – anzuschauen, es könnte ja sein, dass man mal auf einen lernfähigen Diskussionspartner trifft: Continue reading…

Blinder taubstummer Mittelstand 1

Posted by Chris on April 30, 2010

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Alle 6 Monate, wenn ich kurz davor bin, mein Beobachter-Abonnement zu wiederrufen überrascht mich die Redaktion mit einer Ausgabe, die praktisch nur lesenswerte Artikel beinhaltet. So auch bei der Nummer 9 von April 2010. Hauptthema: Der Beginn der Serie “Der bedrohte Mittelstand“.

Das Ende vom Mittelstand?

Ich kann hier nur ein paar der Highlights zitieren, etwa was die deutsche Publizistin Ulrike Herrmann sagt: „Im Kampf um die eigene Karriere entgeht der Mittelschicht, wie unerreichbar die Eliten sind, die ihren Status nicht etwa durch Arbeit erwerben, sondern von Generation zu Generation vererben“. Klarer kann man die derzeitige Situation des Mittelstandes wohl nicht ausdrücken. Wir sind so sehr mit Arbeit, Familie, Finanzen, Studium, Weiterbildung etc. beschäftigt, um “es” zu schaffen, dass wir nicht realisieren, dass “es” so unwahrscheinlich ist, wie einen Lotto-Sechser zu haben (wenn nicht noch unwahrscheinlicher)! Die Mittelschicht unter ständigem Leistungs- und Karrieredruck zu halten bei seiner gleichzeitigen Ausdünnung durch Reallohnsenkungen und Kostensteigerungen (vor allem der Mieten und Fixkosten wie Krankenkassen) kommt den erwähnten Eliten vermutlich gerade recht. Etwas überspitzt gesagt würde der Verlust einer stabilen Mittelschicht in eine Art Feudalität zurückführen, wo eine mehr oder minder willfährige Unterschicht den Adeligen (heute sind das die Reichen) die Stiefel putzt.

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Stimmenfang oder Wahlmanipulation? 3

Posted by Chris on Februar 20, 2010

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Ich wunderte mich natürlich, warum aus der SVP-Ecke nicht härtere Worte fielen, keine Rücktrittsforderungen, Ausschaffungsdrohungen, nichts. Hans Fehr sagte am Radio nur was von “…sollte gerügt werden von der Parteispitze…”

Komisch, denn es geht ja immerhin um den Schwarzafrikaner Nationalrat Ricardo Lumengo also quasi das moderne Feindbild von Xenophoben. Das lässt darauf schliessen, dass es besagte Bürgerliche häufig eben auch nicht allzu genau nehmen, was den Stimmenfang im Altpapier oder in Altersheimen angeht.

Nichtsdestotrotz tut es mir immer weh, wenn eigentlich intelligente Menschen etwas so unglaublich dummes tun. Krankhafter Ehrgeiz scheint keine Parteigrenzen zu kennen. Wenn es auch noch so wahr ist, dass er Menschen beim Ausfüllen geholfen hat, so hätte er wissen müssen, dass dies eine Wahlmanipulation darstellt.

Die SP scheint derzeit grössere Probleme zu haben, als sie selber zugibt. Nicht einmal die Abzockerinitiative wurde aktiv unterstützt, das einzige linke Thema, dass beim verängstigten Volk noch zu platzieren gewesen wäre! Sie haben nun praktisch nichts mehr, um die Wähler in ländlichen Gegenden abzuholen. Selbst schuld, ich prophezeie mal, dass die SP, wenn überhaupt, praktisch nur noch urban oder in grösseren Ballungsgebieten handlungsfähig bleiben wird in den nächsten Jahren. Wird diese Rosskur sich vielleicht als das beste herausstellen, was passieren konnte, um den Bodenkontakt endlich wiederherzustellen? Die meisten Menschen sind nun mal einfach so: Es muss ihnen erstmal selbst dreckig gehen, bevor sie die nötige Empathie auch für andere Mitmenschen ausserhalb ihres engeren Umfeldes empfinden können. Zum Beispiel hätte dann auch eine staatliche Krankenkasse eine Chance, wenn geügend Nicht-Privatversicherte ihre Spitalerfahrung gemacht haben würden.

[1]  http://www.20min.ch/news/schweiz/story/Auf-Stimmenfang-im-Altpapier-28316083
[2] http://www.tagesschau.sf.tv/Nachrichten/Archiv/2010/02/19/Schweiz/Wahlmanipulationen-Ruecktritt-fuer-Ricardo-Lumengo-kein-Thema
[3] http://www.nzz.ch/nachrichten/wissenschaft/svp-fraktion_einstimmig_fuer_vorschlag_blocherminder_1.5035505.html

Wieder mal ein Leser-EMail, zur Abwechslung an eine Krankenkasse 3

Posted by Chris on November 16, 2009

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Tja, manchmal juckt es mich einfach in den Fingern, vor allem, wenn ich in semiprofessionellen Heftchen von irgendwelchen Firmen pseudojournalistischen Unsinn lesen darf (gezwungen wurde ich ja nicht dazu ;-) . Ein Beispiel ist die aktuelle Heftchen (04/2009) der Schweizer Krankenversicherung “Sanitas“. Die Wortwahl in den Artikeln ist nicht nur häufig unpassend, sondern auch menschenverachtend. Der Gebrauch des Unworts “Überalterung” (nein, dieses Wort gibt es nach wie vor nicht) zeigt dies einmal mehr. Dazu mein Leseremail, das wieder mal viel zu lange geraten ist, aber die aktuelle Situation der Krankenkassen aus meiner Sicht treffend beschreiben mag:

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