Damit ich im Wohnzimmer einen Computer stehen haben kann, der nicht komplett deplaziert aussieht, entschloss ich mich letzten Herbst, einen iMac 24” anzuschaffen. Nach 4 Monaten Lieferschwierigkeiten an den Drittanbieter habe ich seit Mitte Januar das Gerät endlich zu Hause stehen.
Obwohl sofort Linux draufgepflanzt wurde, möchte ich natürlich auch ein bisschen mit dem eigentlich vorgesehenen Betriebssystem von diesem sexy Gerät arbeiten. Da OSX Leopard ja nun offiziell als Unix betitelt werden darf, haben sich meine Berührungsängste diesbezüglich weitgehend verflüchtigt. Aber erstmal Schritt für Schritt:
Die Ankunft
Das Gerät ist pragmatisch ohne zuviel Schnickschnack verpackt. Es liegt keine brauchbare Dokumentation in Papierform bei (was aus Umweltschutz-Sicht Sinn macht, jedoch eher aus Spargründen so gehandhabt wurde). Es gibt nur 2 Kabel einzustecken; den Strom und die Tastatur (allenfalls noch die Mighty-Mouse, aber meine ist kabellos mit Bluetooth versorgt). Und dann kann’s eigentlich schon losgehen.
Die Hardware
Der hochauflösende Bildschirm ist sehr gut verarbeitet und bietet einen exzellenten Kontrast. Sogar flach von der Seite sieht man das Bild noch ziemlich gut. Weil das ganze Ding so flach ist, erwärmt es sich aber auch demenstprechend unter Last. Manchmal wird es z.B. beim Spielen so heiss, dass ich eine Überhitzung befürchte. Bei mir ist die noch nie eingetreten, aber ich kenne jemanden, bei dem die Maschine dann schon stehenblieb (“freeze”).
Der Sound kommt überraschend satt mit einem anständigen Bass aus den Boxen. Volle Lautstärke habe ich aus Rücksicht auf die Nachbarn noch nicht ausprobiert.
Die Tastatur hat einen netten Anschlag. Jedoch sind die flachen Tasten manchmal auch störend und irgendwie zu eng zusammenliegend. Leider sind die USB-Anschlüsse an der Tastatur ohne 5V-Versorgung, was sie nur für Geräte mit eigener Stromversorgung tauglich macht (iPod, Palm Pilot etc.). USB-Keys müssen leider an der Rückseite des Bildschirms angebracht werden.
Der erste Start
Was einem Linux-Benutzer mit Sysinit-Erfahrung auffält: Das Ding startet verflixt schnell. Erste Interpretation: Hier gibt es kein SYSV-Init mit verschiedenen Runlevels. Allenfalls BSD-Unix-mäßige Startskripte. Dies hat sich nach kurzem Suchen in der Dateisystem-Wurzel auch bestätigt. Wie genau die Services gestartet werden, habe ich noch nicht ausgeknobelt. Ich vermute mal, dass die jeweiligen Services als Applikation installiert sich selber um den Start kümmern, indem sie Skripte in /System/Library/StartupItems und /Library/StartupItems ablegen, welche von /etc/rc.common gebrauch machen und die mit XML-Dateien (Property-list Format) konfiguriert werden. Daher wird auch /etc/rc nicht mehr verwendet. Der Unix-übliche “init” als erster Prozess wurde durch “launchd” ersetzt. Kernel-Module finden sich des weiteren in /System/Library/Extensions/. Eine ausführlichere Beschreibung der Details vom Bootvorgang und weitere nützliche Informationen sind im empfehlenswerten Buch “Mac OSX Tiger for Unix Geeks” zu finden.
Die Shell
Als erstes Programm öffnete ich tatsächlich die Shell und fühlte mich sofort zuhause, da es sich um eine Bash handelt. Kein Handlungsbedarf. Punkt.
Das System
Wie schon erwähnt finden wir das BSD-Startskripte (oder eher Initialisierungsskripte) /etc/rc.common und /etc/rc.netboot. Ein weiterer Unterschied zu klassischem Unix / Linux ist die Dateistruktur. Das /etc zum Beispiel ist abgebildet auf /private/etc. Auch die Benutzerverzeichnisse zeigen mittels Autofs auf /home ausgehend von /Users/USERNAME. Cronjobs können ganz normal mit “crontab” erstellt resp. bearbeitet werden. Es ist also praktisch alles vorhanden im Sinne eines klassischen Unix. Einige der Programme und Hilfsmittel sind auch als entsprechende grafische Programme für die Benutzer verfügbar.
Die Oberfläche
Die standardmäßigen Effekte sind minimal. Mit “Exposé” und “Spaces” sind zwei sehr vernünftige Desktop- resp. Programmwechsler vorhanden. Als Compiz-Benutzer scheinen die Oberfläche und die Effekte von OSX dann doch eher simpel. Aber geradde dadurch ist vermutlich auch eine höhere Stabilität gewährleistet. Ganz besonders gefällt mir das Dock am unteren Rand, eine Art Taskleiste mit schönem Spiegeleffekt, in der laufende Programme angezeigt werden, aber auch Programm-Icons abgelegt werden können, um diese schnell zu starten. Ein nettes Detail, welches sehr nützlich ist, sofern man es kennt: Die Programme, welche gerade laufen, haben einen kleinen blauen Punkt unter dem Icon im Dock.
Die Programme
Hier sind wiederum rein subjektive Ansichten entscheidend. Eine nette Präsentation zeigt viele der Funktionen und Neuerungen. Hier eine kleine Auswahl:
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Mail
Ich persönlich bevorzuge beispielsweise Thunderbird als Mailprogramm, weil ich dieses mittels Unison mit meinen Linux-Verzeichnissen synchronisieren kann. Der Mail-Client von Apple ist dafür besser integriert um z.B. Fotos zu versenden mit automatischer Größenanpassung. Eine Funktion für Empfangsbestätigung habe ich bis jetzt vergeblich gesucht in Apple’s Mailprogramm.
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iPhoto
Gerade iPhoto ist für mich ein Paradebeispiel der Usability von Mac-Software. Innert 2 Minuten habe ich aus ausgewählten Fotos eine Diashow mit sanft bewegten Bildern und Musikuntermalung erstellt und konnte diese gar noch als Quicktime exportieren. Meines Wissens ist so etwas mit meinem sonstigen Favoriten, dem Linux-Pendant “digikam” _noch_ nicht möglich. Dafür importiert iPhoto die Fotos in eine DB, man hat die Dateien also nicht mehr einzeln physikalisch zur Verfügung, was einen wiederum an dieses Programm bindet. Man kann natürlich per Drag&Drop Fotos in den Dateimanager ziehen und hat sie dann wieder als Dateien zur Verfügung, aber weshalb dann nicht gleich die Dateien behalten und nur die Verwaltung in der Datenbank halten?
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Photo Booth
Für meine Freundin der beste Grund, OSX zu benutzen. Es macht viel Spass mit den verschiedenen Foto-Effekten mit Echtzeit-Vorschau herumzuexperimentieren. Es ist absolut einfach, die Fotos direkt zu versenden, als Anmelde- oder Chat-Bild zu verwenden oder in iPhoto zu bearbeiten. Leider ist die Funktion für die Hintergrundeffekte noch nicht ausgereift. Es braucht perfekte Lichtverhältnisse und einen absolut leeren und weissen Hintergrund, damit man sich selbst quasi vor dem Eiffelturm platzieren kann. Ausserdem scheint die Kamera manchmal etwas verrückt zu spielen (zu Hell, Farbtöne überwiegen einseitig), was jeweils durch einen Neustart der Applikation behoben werden muss.
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Time Machine
Dazu kann ich ich nicht viel sagen, denn ich habe keine überschüßige USB-Harddisk zu Verfügung im Moment. Allerdings sieht es in der Präsentation schon beeindruckend aus. Ich vermute mal, es handelt sich um ein rsync-basiertes Backup, welches ich auch bei meinen Linux-Maschinen einsetze, nur dass eben das Time-Machine-Interface sehr einfach ist und vor allem cool aussieht. Aber wie üblich mangelt es klar an Konfigurations- und Eingriffsmöglichkeiten für die Benutzer. Man kann nicht mal alte Backups löschen, soviel ich weiss. Das ist wiederum gar nicht nach meinem Geschmack.
Fazit
Dieses Fazit ist absolut subjektiv und ich habe noch nicht allzuviel Hintergrundwissen über OSX.
Die Oberfläche ist wunderschön und “Cover Flow” in Zusammenarbeit mit der hervorragenden Vorschaufunktion im Finder ist sehr überzeugend. Aus der Vorschau konnte ich beispielsweise eine Diaschau mit einem Mausklick starten, welche sogar Powerpoint-Präsentationen einbinden konnte.
Als Linux-Veteran fehlen mir viele Freiheiten in der Wahl von Werkzeugen und grafischen Benutzeroberflächen. Man merkt eindeutig, dass man sich als User nicht für die Details zu interessieren hat. Das funktioniert im Vergleich zu Windows immerhin, da praktisch alles reibungslos funktioniert. Dennoch steht man als neugieriger Benutzer etwas im Regen und Automator und AppleScript sind keine echten Alternativen im Vergleich zur Macht, die man über ein Linux-System haben kann.
Meine Fotos lese ich nach wie vor in Linux ein, weil sie dort (Programm digikam) als einzelne Dateien erhalten bleiben. Danach importiere ich sie auch in iPhoto, weil ich damit wiederum sehr einfach “mal eben schnell” eine wunderschöne Diaschau für Freunde erstellen kann.
Daher ersetzt OSX bei mir ganz bestimmt nicht Linux, aber zum Surfen und Multimedia bearbeiten im Wohnzimmer ist es ganz klar vorerst die erste Wahl. Es sind nun mal hauptsächlich die exzellent integrierten Programme, die das “Mac-Feeling” ausmachen.

hmm, do u do anything else than sitting in front of monitors and
.
hakin round with linux-stuff??? Good boy
heheeee, dont forget to pet the cat, peeeeeeeeez…
o.k. MacOS ist schon längst von der Festplatte, aber die offenen Punkte konnte ich doch nicht stehen lassen
Also beim MacOS wird einfach alles möglich versteckt, damit es Otto-Normal-Anwender nicht findet. Somit befinden sich die iPhotos nicht in einer Datenbank sondern in einem Verzeichnis, welches nach außen wirkt, als wäre es eine Datei. Mit einem ctrl->Mausklick befördert man bei der Datei “iPhoto Library” das Kontextmenü hervor und kann sich dann den Inhalt des “Pakets” anzeigen lassen…. Ebenso bei Apple Mail. Die wirklichen Einstellungsdateien haben die Endung .plist und können mit dem Preferences Editor verändert werden. Unter ~/Library/Preferences befindet sich die Datei com.apple.mail.plist in der man eigene Header-Einträge hinzufügen kann.
Aber: MacOS ist nicht Linux, und es stimmt, dass man nicht alle Freiheiten eines Linux hat, wogegen das wenige bei MacOS gut abgestimmt ist, solange man bei Apple bleibt.
Am besten wird Apple’s Politik derzeit vom iPad widergespiegelt: Ein teures Gerät, dass bei gutem Licht präsentiert wird, aber im Endeffekt praktisch keine Schnittstellen hat, resp. diese nur durch teure Zukäufe bietet (3G, USB). Dasselbe im Software-Sektor: Apps entwickeln und veröffentlichen kostet richtig Geld, auch für Hobbyentwickler. Auch Google fährt auf diesem “Binde den Kunden”-Zug. Hoffentlich ist es beim Nokia N900 nicht so schlimm mit den Bezahl-Apps. Da es sich dort um ein waschechtes Linux ohne Sperr-Oberfläche handelt (nicht Javascript-Only oder so ähnlich, siehe Android). Die Nachfrage vom N900 zeigt, dass nicht alle Konsumenten passive Kiddies oder Statusgeile Krawattenträger sind, sondern doch auch ein paar Leute ihre Geräte wirklich besitzen wolllen (nicht nur Benutzer sein).
Warum ist die entwicklung für das ipad teuer? Alle notwendigen tools sind frei erhältlich und für die Veröffentlichung im Store sind irgendwas um die 150€ im Jahr fällig. Teuer ist für mich was anderes.
Das ipad bietet für ein gerät seiner Art doch ausreichend schnittstellen. USB WLAN g3 Bluetooth. Sinn des geräts ist doch die Mobilität und das schließt für mich das mitschleppen von Zubehör in rauen Mengen aus. Warum also 5 USB Ports, fw und cardreader einbauen? Dafür gibt’s notebooks.
Mac osx ist mmn das beste Betriebssystem das ich bisher kennen lernen durfte. Keine Treiberprobleme wie unter Linux, keine viren wie unter Windows. Hard und Software funktionieren einfach und mehr will 99,9% aller user ohnehin nicht von einem Computer.
Apple ist leider der letzte Hersteller der hard und Software aus einer Hand anbietet. Ein in sich geschlossenes System. Dass dies nicht nur Vorteile hat, ist klar. Aber wer behauptet dass man sich einen Apple kauft als Statussymbol, der hat einfach nicht begriffen, dass Technik funktionieren muss und seinem Besitzer das leben erleichtern soll.
Übrigens: ich möchte ein gerät nicht nur besitzen, sondern auch benutzen.
Aber ich will, dass es mir gehört und dass ich damit machen kann was ICH will, nicht, was der Hersteller denkt was ich will
was für eine egoistische Idee, was?
Dass die “Otto-Normalbenutzer” (wer auch immer dies definiert) mit dem Zeug zufrieden sind, ist mir ehrlich gesagt schnuppe *Ziemlich-arrogantes-Lächeln-aufsetz*
Und noch ein aaaalerletztes mal: Treiberprobleme sind Herstellerprobleme (die eben keine oder geschlossene Pandorabox-Treiber liefern), ausser die von Intel, die sind open source UND schlecht, das stimmt.
Apropos Sicherheit: Google mal ein bisschen und Du wirst feststellen, dass MacOSX das momentan attraktivste Ziel von Angriffen ist, da es langsam die kritische Benutzergrenze überschreitet. Mal schauen, wie sich das entwickelt. Andererseits wurden üble Sicherheitslecks auch im Linux-Kernel entdeckt. Und diese waren 7 Jahre alt
Hack on!
Chris