Zenwalk liegt zur Zeit auf Platz 14 der Distrowatch-Charts. Der Test fällt diesmal eher kurz aus, da Zenwalk und ich sagen wir mal einen “schwierigen” Start hatten, mehr dazu später.
Herkunft / Ursprung
Zen – eine Schule des Buddhismus aus Japan (ganz ursprünglich aus China). Einfachheit, den Fokus auf das Wesentliche richten, diese Assoziationen kommen mir dabei als erstes in den Sinn. Durch diese Fokussierung auf Einfachheit und Schlichtheit scheint mir der Name Zenwalk schon passend zu sein. Zenwalk basiert auf Slackware, mit dessen Basis-System ich mich nicht besonders gut auskenne (ich sollte Slackware endlich mal testen, ich weiss). Zenwalk hieß früher offenbar Minislack.
Wichtigste Daten in Kürze:
- Homepage: http://www.zenwalk.org
- Größe als ISO-Image: 468 MB in der Standardversion (1 CD) / Dekomprimiert und installiert ca. 1.6 GB
- LiveCD Funktion: Ja, mit spezieller Live-Version
- Sprachen: Englisch, Französich, Deutsch (konfigurierbar)
- Abgeleitet von: Slackware
- Kernel: 2.6.23
- Package-Management: Slackware (gezippte Tarballs)
- Release-Zyklus: ca. jährlich?
- Standarddesktop: XFCE
- 3D-Desktop / Compositing: Compositing für XFCE vorhanden
- Kosten für Updates und Support: Keine (Wiki, Forum)
- Lizenz: Größtenteils GPL V.2, binäre Treiber und Firmware (z.B. Intel-WLAN-Firmware) sind in der Grundinstallation vorhanden
Besonderheiten dieser Version
Zenwalk gibt es in 5 verschiedenen Geschmacksrichtungen:
- Standard: Die normale Version mit XFCE-Oberfläche, wie sie hier getestet wurde
- Core: Eine abgespeckte Version ohne grafische Oberfläche (kein X)
- Live: Die Live-Version zum freien Testen der Distribution ohne Installation
- Server: Wie der Name schon sagt, für Serverbetrieb ausgerichtet (d.h. auch der Kernel wurde unter diesen Gesichtspunkten speziell optimiert)
- ZenEdu: Eine auf Schüler ausgerichtete Version vornemlich mit Lernsoftware ausgestattet.
Erster Eindruck vom Desktop
Die Einfachheit ist durch XFCE als Desktopmanager schon fast gegeben. Zusätzlich mit den dezenten Iconsets und Hintergrundgrafiken wirkt das ganze tatsächlich sehr schön und aus einem Guss.
Installation
Die Installationsroutine ist textbasiert und für sich genommen sehr einfach, da es beispielsweise keine umständliche Paketauswahl gibt. Allerdings wird die Festplatte mittels “cfdisk” partitioniert, was einen Anfänger überfordern dürfte.
Konfiguration
Die Konfiguration findet zum größten Teil schon während der Installationsroutine statt. Das laufende System kann mittels “Zenpanel” konfiguriert werden (Zenpanel findet sich im Startmenü oder neben dem XFCE-Konfigurationsknopf).
Bei der WLAN-Konfiguration tauchten bei mir die anfangs erwähnten Schwierigkeiten auf. Erst nachdem ich das kabelgebundene Interface eth0 deaktiviert hatte und manuell die Route zum Gateway setzte, funktionierte das wlan0 Interface. Den Reboot überlebte diese Konfiguration allerdings nicht. Auch der mitgelieferte “Wicd Network Manager” konnte mir nicht weiterhelfen (ansonsten machte dieses Werkzeug aber einen sehr brauchbaren Eindruck). Nach anfänglicher Verzweiflung habe ich nun zumindest einen Workaround: eth0 mit statischer IP konfigurieren, Netzwerk neustarten, eth0 deaktivieren, den Schlüssel und die Route zum Gateway für wlan0 setzen. Das packe ich in’s /etc/rc.d/rc.local und es sollte automatisch funktionieren. Ich möchte die Distribution nicht für dieses Detail verantwortlich machen, denn die Unterstützung für die WLAN-Karte ist ja eigentlich da. Aber dass das Standard-Konfigurationstool “networkconfig” nur das kabelgebundene Interface berücksichtigt, ist nicht gerade benutzerfreundlich.
Package-Management & Software
Das Slackware-Paketsystem kennt nur eine rudimentäre Abhängigkeitsprüfung und die Pakete bestehen aus .tgz Files. Auch hier hat die Einfachheit Vorrang. Mittels “netpkg” lassen sich zusätzliche Pakete sehr einfach und schnell nachinstallieren. Leider stürzte “netpkg” bei mir hin und wieder ab ohne ersichtlichen Grund.
Tools & Programme
Bei der Programmauswahl wurde auf schnelle Startzeiten geachtet. Abiword beispielsweise ist eine voll funktionstüchtige Textverarbeitung, startet aber in 2 Sekunden auf meinem Notebook (bei Openoffice der großen Distributionen warte ich teilweise bis 40 Sekunden!). Auch eine Tabellenkalkulation (Gnumeric) ist vorhanden.
Als Browser und Mailclient stehen “IceWeasel” und “IceDove”, die beiden “ganz freien” Firefox- und Thunderbird-Ausgaben zur Verfügung.
Auch sonst sind die jeweiligen Programme sehr einfach und klein gehalten, es findet sich nichts Unnötiges dabei. Die Unterstützung von portablen USB-Geräten ist außerdem als exzellent zu bezeichnen. Ob Palm, Kameras, iPods etc. alle sind einstellbar in der XFCE-Konfiguration, so dass beispielsweise beim Anschließen einer Digitalkamera die Bilder automatisch importiert werden, oder der Player automatisch die Musik des MP3-Players abspielt. Leider fand sich bei mir nirgends ein Icon, dass mir half, die Geräte wieder sicher zu entfernen. Auch hier kann ein Einsteiger nicht viel aursrichten, wenn er den umount-Befehl nicht kennt. Es gibt zwar kein Icon direkt auf der Oberfläche, aber in der Seitenleiste des Dateimanagers tauchen die Removable-Devices auf und können dort unmounted werden.
Multimedia
Im Multimediabereich ist “GMusicBrowser” verantwortlich für’s Abspielen der Musik. MP3 werden out-of-the-box unterstützt. Mplayer spielt Filme ab, MPEG, Divx etc. stellen soweit kein Problem dar (libdvcss vorausgesetzt). Wer beispielsweise “Amarok” o.ä. möchte, kann dies ganz einach mit netpkg nachinstallieren. Allerdings wird bei Amarok das ganze KDE mitinstalliert (die Bibliotheken hätten’s ja auch getan).
3D-Desktop / Compositing
Ich habe zwar den 3D-Desktop auf XFCE nicht auf Tastendruck hinbekommen, aber zumindest das Compositing war nach Aktivierung des entsprechenden Nvidia-Treibers ganz einfach zu aktivieren mittels dem XFCE-Konfigurationstool. Das Compositing etwas unvorhersehbar mit gewissen Programmen (z.B. GIMP mit mehreren Fenstern).
Fazit
Die Distribution ist wirklich sehr schlank, schön und pragmatisch funktionell. Sie dürfte auch auf älteren PC’s absolut flüssig laufen (XFCE sei dank). Die Startzeit der meisten Programme ist äußerst schnell. Leider hatte ich ab und zu ein paar Abstürze von “netpkg” zu verzeichnen während der Installation von Paketen. Einmal konnte ich auch gar keine Programme mehr starten aus den XFCE Menüs. Es gab auch echte Frustmomente mit Zenwalk, als ich die erwähnten Schwierigkeiten mit der WLAN-Konfiguration hatte. Ich weiß, dass bis heute keine Distribution eine perfekte Lösung zur Netzwerkkonfiguration hat, aber hier hätte ich mir doch etwas mehr Hilfe von den Konfigurationstools gewünscht. Bis heute weiß ich beispielsweise nicht, wo und wie überhaupt die Netzwerkkonfiguration gespeichert wird (ich werde mich natürlich noch detailliert auf die Suche machen, wenn etwas Zeit über ist). Wie gesagt hatte ich halt einen schlechten Start mit Zenwalk, aber ich werde bestimmt auch die nächste Version testen.
Pro: |
Kontra: |
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Bewertung

Am Anfang sollten es eigentlich 4 Pinguine werden, aber man muss wirklich auch die mangelnde Benutzer- resp. Einsteigerfreundlichkeit z.B. beim Partitionieren und der WLAN-Konfiguration berücksichtigen und die ab und an auftretenden Stabilitätsprobleme taten das Übrige. Wie immer gilt: Die Bewertung ist subjektiv und aus dem Gesichtspunkt der Desktoptauglichkeit für Einsteiger gemacht.
