Um endlich mal wieder ein richtig mobiles Laptop zu haben, welches seinem Namen gerecht wird, schaffte ich mir kürzlich das vielgelobte Thinkpad X61 an:
Den etwas höheren Preis im Vergleich zu anderen ultraportablen Laptops nahm ich aber gerne in Kauf, da ich früher schon mit einem T30 sehr gute Erfahrungen gemacht habe (das Ding ist trotz Zweimetersturz auf Beton und verbogenen Scharnieren noch tadellos in Betrieb bei meinen Eltern).
Auch diesmal wurde ich nicht enttäuscht. Die Tastatur flutscht perfekt. Bis auf die Spezialtasten; die mussten versetzt werden aus Platzgründen, anstatt Escape erwischt der Linux-Benutzer halt des öfteren F1, was im vi etwas nervig sein kann, aber man gewöhnt sich innert kurzer Zeit daran.
Das Gehäuse ist gewohnt robust. Es gibt hinreichend Reviews zu diesem Laptop.
Die für mich interessanteste Frage war jedoch: Wie macht sich wohl meine bevozugte Distribution (Kubuntu 7.10) auf diesem Teil? Leider stellte sich schnell heraus, dass die Antwort «gar nicht gut» lautet. Mit Sound war nichts, da Alsa erst ab 1.0.15 diesen Intel-Chip unterstützt (Kubuntu ist noch bei 1.0.14). Ausserdem gab’s Probleme mit Suspend und Tiefschlaf sowie der ACPI-Unterstützung (die Batterie wurde nicht erkannt, es war also kein automatischer Wechsel in einen Stromsparmodus möglich). Ich bastelte deshalb nicht mehr länger an solch grundsätzlichen Workarounds herum, sondern installierte als zweite Wahl Fedora 8 auf dem Gerät. Und siehe da! Alsa 1.0.15 war schon dabei, der Sound funktionierte dadurch von Beginn an (wenn auch teilweise mit kleinen Verzögerungen). Der Powermanager resp. die ACPI-Schnittstelle funktionieren wunderbar. Hier zeigt sich wieder einmal der Vorteil von aktualisierten Kernelversionen bei Distributionen.
Zum Akku: Es ist leider immer noch so, dass Linux (ohne die Tweaks) etwas mehr Strom zu brauchen scheint als Windows XP. Bei Vista, dem Ressourcen-Schluckspecht und Geissel der unbedarften Benutzer sieht es natürlich wieder ganz anders aus. Mit dem mitgelieferten 4-Zellen-Akku hält eine Ladung bei normalem Gebrauch (ohne 3D) von Linux 1,5 bis 2 Stunden. in paar Anpassungen sind also noch nötig, wenn man die meisten Features aktiviert haben will und der Akku etwas länger durchhalten soll pro Ladung. Mehr als 2,5 Stunden liegen aber auch dann nicht drin. Deswegen werde ich nicht darum herumkommen, den 8-Zellen-Akku anzuschaffen, wenn die Kiste eine längere Zugsfahrt durchhalten soll.
Es macht wie immer einen Riesenspass herumzuprobieren und zu testen, wie man denn wohl noch das eine oder andere Watt sparen kann. Powertop ist für solche Spielereien das perfekte Werkzeug. Wenn irgendjemand noch weitere oder bessere Tweaks als die unten aufgelisteten kennt, immer her damit. Das meiste hier habe ich bei Thinkwiki gefunden. Vor allem der Artikel “How to reduce power consumption” erweist sich als ungemein hilfreich.
Auch Kommentator Karsten hat sehr gute Informationen (für Kubuntu auf T60, ist aber auch hier nützlich) in seinem Blog parat.
Features aktivieren
1. Suspend / Hibernate: Funktioniert bei Fedora 8 out-of-the-box in der sysfs-Variante. Es muss aber die Kerneloption “acpi_sleep=s3_bios” im /boot/grub/menu.lst eingetragen werden, damit der Bildschirm nach dem Aufwachen aus dem Suspend-to-ram Zustand nicht dunkel bleibt. Als Alternative kann man den bekannten suspend2-Kernel verwenden. Bei mir funktioniert mit diesem allerdings das hibernate gar nicht mehr (das kann auch an mangelnder Konfiguration liegen, aber da bei mir der normale Hibernate funktioniert, lasse ich es dabei bewenden)
2. Thinkpad-Tasten: Um die speziellen Tasten wie “ThinkVantage”, die Bildschirmhelligkeitssteuerung, Thinklight etc. zu steuern, muss man unter KDE lediglich das kmilo-Plugin aktivieren.
Leider scheint es seit einigen Kernelversionen ein Problem mit der Helligkeitssteuerung zu geben. Mann kann nur noch 1 Stufe wechseln, immer von wenige hell nach ganz hell.
3. Fingerabdruckscanner (Thinkfinger): Dazu gibt es eine nette Anleitung, mit der es gut funktioniert (thinkfinger ist als PAM-Modul realisiert). Das Einloggen im GDM funktioniert datmit bestens, das Wechseln zum Superuser und die div. Konfigurationstools ebenfalls. Leider ist aber die KDE-Unterstützung in dieser Hinsicht noch praktisch nicht vorhanden (resp. man erhält von kcheckpass einen SEGFAULT). Sehr schade…
4. Harddisk-Aufprallschutz (hdaps): Habe ich nicht zum laufen gekriegt. Noch nicht mal das schon vorhandenen hdaps Kernelmodul lässt sich in Fedora 8 laden. Google brachte zwar einige Postings mit demselben Problem aber keine Lösung soweit.
Stromspartips, um die Akkulaufzeit etwas zu verlängern
1. Laptop-Mode: Entweder er ist schon von der Distribution her unterstützt (/proc/sys/vm/laptop_mode existiert) wie bei Fedora 8 oder man installiert das entsprechende Paket noch nach. Durch laptop_mode wird vor allem bei der Harddisk Strom gespart (dirty writeback time erhöht, spindown-time verlängert etc.)
Um den Modus bei Fedora zu aktivieren, habe ich folgenden Eintrag im /etc/rc.local gemacht:
echo 5 > /proc/sys/vm/laptop_mode echo 0 > /proc/sys/kernel/nmi_watchdog
2. Powertop: Installieren und benutzen (vor allem bei Intel-Prozessoren). Intel’s powertop gibt einem direkt nützliche Energiesparttips (mit der Möglichkeit diese per Tastendruck auch gleich durchzuführen).
3. USB1.1 deaktivieren: Dazu wird das Modul uhci_hcd entfernt resp. beim Booten nicht mehr geladen (“uhci_hcd” in /etc/modprobe.d/blacklist eintragen). Leider hat dies bei den Thinkpads aber auch zur Folge, dass der Fingerabdruck-Leser nicht mehr funktioniert (ist ein USB1 Device). Mir ist das aber nach dem Einloggen egal, da thinkfinger (resp das PAM-Modul) mit KDE sowieso nicht richtig funktionieren. uhci_hcd ist ein äusserst CPU-weckfreudiges Modul. Es werden locker bis 50% des CPU-Aufweckens gespart ohne USB1.
4. Harddisk dirty-writeback-time und Powersave erhöhen:
Auch hier ein Eintrag im /etc/rc.local:
echo 1500 > /proc/sys/vm/dirty_writeback_centisecs # hdparm -B 16 -S 12 /dev/sda
beim hdparm bin ich noch vorsichtig, da schon durch die Erhöhung der dirty-writeback-time die Aktivität der Festplatte deutlich nachlässt.
5. USB-Autosuspend: Auch dieser Tip kommt von powertop:
for i in /sys/bus/usb/devices/*/power/autosuspend; do echo 1 > $i; done
Der alternative powertop-Vorschlag mit usbcore.autosuspend=1 als Kernelparameter wurde bei mir von keiner Distribution akzeptiert.
6. Netzwerk: Wenn ich das Gerät an einem Ort ohne WLAN benutze, deaktiviere ich mit “ifdown wlan0″ ganz einfach die Schnittstelle, was sehr viel Energie spart.
Des weiteren gibt es div. Stromsparfunktionen für WLAN und Ethernet:
iwpriv eth1 set_power 5
wake-on-lan deaktivieren für alle Schnittstellen:
ethtool -s eth0 wol d ethtool -s wlan0 wol d
7. Lüfterkontrolle: Na klar, der Lüfter braucht auch Strom und ist standardmäßig sehr konservativ eingestellt. Es gibt unter http://www.thinkwiki.org/wiki/How_to_reduce_power_consumption ein Skript, um die Lüfterdrehzahlen etwas herunterzuschrauben (ohne das das Gerät überhitzt). Dieses musste ich noch etwas anpassen. Bitte nicht einfach benutzen, ich habe versch. Stellen auskommentiert, die Probleme machten, ohne wirklich zu wissen, wie wichtig diese sind. Aber im Moment scheint die Steuerung zu funktionieren und die Drehzahl wird meistens um 30% vermindert. Ausserdem kann man im Skript noch div. Thresholds für die Temperaturen einstellen, was ich auch schon erfolgreich getestet habe. Dieses Programm habe ich als init-Service eingerichtet, damit es automatisch im Hintergrund gestartet wird.
Hier mein aktuelles /etc/rc.local, womit die Tweaks beim Systemstart (als Letztes) aktiviert werden:
chmod 666 /dev/nvram # div. stromsparer echo 5 > /proc/sys/vm/laptop\_mode echo 0 > /proc/sys/kernel/nmi\_watchdog echo 1500 > /proc/sys/vm/dirty\_writeback\_centisecs for i in /sys/bus/usb/devices/\*/power/autosuspend; do echo 1 > $i; done echo 1 > /sys/module/snd\_hda\_intel/parameters/power\_save iwpriv eth1 set_power 5 ### untested: echo 1 > /sys/devices/system/cpu/sched\_mc\_power\_savings ethtool -s eth0 wol d ### not used as we have 1500 dirty\_writeback\_centisecs enabled # hdparm -B 16 -S 12 /dev/sda


Hervorragender Artikel. Danke.
Ich habe auch das Thinkpad X61s mit Kubuntu 7.10 am laufen, der Sound funktioniert meiner Erfahrung nach entgegen obiger Darstellung allerdings out-of-the-box.
Christian, welche Alsa-Version läuft bei Dir (sudo alsactl -v)? Vielleicht hatte ich ja einfach nur zu wenig Geduld
Jedenfalls habe ich mit Ubuntu’s auch noch ein Problem mit Autofs-Mounting, weshalb ich zurzeit eher auf Fedora setze (auch wenn das etwas Mehraufwand für’s Setup von Multimedia-Fähigkeiten bedeutet).
hallo,
dein erfahrungsbericht zu m x61 mit linux ist fachlich hervorragend. bravo.
könntest du mir dein skript zur lüftersteuerung zukommen lassen und ggf. kurz kommentieren. falls es dir nix ausmacht wüßte ich gerne wie du es als init-dienst in dein system integriert hast.
vielen, vielen dank für deine mühe
gruß
helmi
hallo,
vielen dank für die scripts. kannst du mir noch kurz sagen, ob die umbenannt werden müssen und wo sie abgelegt werden sollen.
in der doku hab ich etwas gelesen von wegen pid-file. wo bekomme ich den her und für was ist der gut?
lg
helmi
alsactl version 1.0.14
Vielleicht wurde inzwischen gepatcht, habe mir die Distribution irgendwann Mitte Dezember heruntergeladen.
na das erklärt’s. Du hast vermutlich einen aktuellen Re-Spin installiert.
alsa ist bei mir version 1.0.14, allerdings hatte ich es mir Mitte Dezember heruntergeladen, vielleicht floß da noch ein Patch hinein. Mit einem Vanillakernel habe ich vor 2,5 Wochen übrigens keinen Sound zustande bekommen(eine 2.6.24 mit prepatch)
Vermutlich musst Du auch Alsa kompilieren, allerdings bin ich mir nicht sicher, da Du ja eigentlich schon eine genügend aktuelle Version hast…
Hallo,
Die Beschreibung hier finde ich klasse.
Eine Frage habe ich jedoch noch.
Hast Du die BS-Auflösung größer als 800×600 und wenn ja, wie hast Du es geschaft.
Ich kann in das xorg.conf schreiben was ich will, die Auflösung lässt sich nicht verändern.
Danke für ‘nen Tipp.
Dies ist die betr. Sektion vom xorg.conf, damit geht bei mir 1024×768.
Du kannst aber in der Monitor Sektion explizit eint “DisplaySize 1024×768″ setzen, ich habe dies aber nicht getestet mit Fedora.
Section "Screen" Identifier "Screen0" Device "Videocard0" DefaultDepth 24 SubSection "Display" Viewport 0 0 Depth 24 EndSubSection EndSectionHallo Chris,
auch mir gefällt dein Test sehr gut und du scheinst mir sehr kompetent. Ich will mir auch ein X61s kaufen, nämlich das UK3A8GE mit 1,8Ghz oder ein T61 UI279GE mit 14″ standart Screen (etwas dunkler als der Ultralight) und 2,2Ghz (leider ohne Firewire). Wegen zweierlei Sachen kann ich mich aber immer nochnicht zum X61 durchringen. Erstens die Frage, ob der 1,8Ghz CPU auch noch in ca. 3-4 Jahren zum Arbeiten ausreichend ist und zweitens die Frage, ob nicht vielleicht der Bildschirm beim Arbeiten zu klein ist. Übrigens: Vista wird durch XP ersetzt und möglichst Ubuntu als Haupt OS benutzt. Es wäre sehr freundlich, wenn du mir deine Einschätzung zu meinen Fragen schreiben könntest.
Gruß
Chris
Hallo Namensvetter
Ich kann das Thinkpad X61 wärmstens empfehlen. Die CPU ist vollkommen ausreichend und wird auch in 3 Jahren noch ausreichend sein. Ich habe meiner Mutter ein altes T30 vererbt und dort läuft Kubuntu immer noch prima und wird dies voraussichtlich noch lange tun. Du darfst aber keine grosßartigen 3D-Leistungen erwarten (auch nicht mit WinXP), da es an der Grafikkarte hapert (ein integrierter Intel-Chip).
Zum Arbeiten ist das Ding einfach perfekt, und zwar nicht nur unterwegs sondern auch zu Hause und im Büro.
Wie in obigen Kommentaren zu sehen ist, unterstützt (K)Ubuntu mittlerweile Alsa 1.0.15, weshalb der Sound jetzt out-of-the-box funktionieren sollte. Du kannst also ohne Bedenken Ubuntu installieren (Du sparst Dir dadurch auch einiges an Multimedia-Nachinstallationen).
Was ich besonders an den Thinkpads schätze: Die Tastatur resp. der Druckpunkt.
Zur Bildschirmauflösung: 1024×768 sind ausreichend aber an der unteren Grenze. Vermutlich wird das Display bei neueren Modellen eher so 1440×900 unterstützen.
So, Hallo zurück,
herzlichen Dank für die schnelle Antwort, du hast mich in meiner Entscheidung so bestärkt, dass ich das X61s eben inkl. Dock und DVD Brenner bestellt habe. Dann kommt natürlich erstmal Linux drauf, bin grad noch am überlegen, ob ich nicht mal Xubuntu ausprobieren soll. Ansonsten wohl Ubuntu mit Gnome.
Bis dann und weiterhin viel Spaß mit deinem X61,
Chris
Sound unter Ubuntu 7.10 kann evt. schon mittels Installation der backports-Treiber-Packages von Ubuntu laufen (zumindest ist das bei einem Dell Vostro 1700 so, welches mit den Modulen des Default-Kernels noch keinen brauchbaren Sound-Support hat).
Hey,
danke für Deine Seite, mal sehen, was ich davon integriere. Ich Nutze ein X60s mit Ubuntu. Leider killt der Trick mit dem USB1.1 auch die Bluetooth-Schnittstelle. Die frisst natürlich Strom, aber ich will sie nicht missen.
Mal sehen, was mit Deinen anderen Tipps so geht.
Gruß, Matthäus
Autsch! Ja leider geht BT über denselben Bus. Ich konnte mich bis heute der Bluetooth-Welle entziehen, weshalb ich keine Rücksicht darauf nehmen muss
Allerdings ist es auch nicht soo schlimm, USB1.1 laufen zu lassen, wir reden hier vielleicht von 10 Minuten mehr Akkulaufzeit wenn’s gut geht…
[...] mehr Stromsparen mit dem Lenovo Thinkpad X61s Posted by Chris on Juni 08, 2008 Seit meinem Erfahrungsbericht vom letzten Jahr haben sich einige der Stromspareinstellungen geändert und einige Tricks sind [...]
…einfach mal ubuntu (gnome) probieren, damit läuft alles besser. kde ist deprecated!
ThinkPad X61s 7667-DP6 ubuntu
hallo zusammen,
habe gerade mein erstes thinki in betrieb genommen,
leider ist auf dem teil vista und ich bin ein ubuntujaner und möchte dass natürlich so schnell wie möglich installieren.
kann mir jemand sagen, was ich von dem ganzen kram, der bei so einem thinkpad von lenovo mitgeliefet wird runterschmeissen kann und was ich auf keinen fall von der festplatte löschen darf. ich habe schon einiges im inet gefunden zur installation, aber auf die frage was ich deinstallieren oder löschen kann, habe ich keine antworten gefunden (ich möchte es nicht gleich demmolieren).
danke georg
Naja, ich übernehme natürlich keine Verantwortung, kann aber sagen, dass ich auf meinem X61s damals alles weggeputzt habe, was nach Windows und “Lenovo-Special” (so eine wiederherstellungspartition von 200MB oder so) aussah. Das heisst, man kann die ganze Festplatte verwenden, am besten Du wählst eine verschlüsselte Root-Partition, immerhin bist Du unterwegs mit dem Teil. Wenn Du aber Dualboot haben willst, ist das wieder was anderes => Forum fragen.
danke für die antwort chris,
dualboot brauche ich nicht, welches form empfiehlst du und wie hast dass mit der verschlüsselung der rootpartition gemcht.
danke und frohe festtage
georg
Sorry, bei mir gibt’s nur Fedora 10, da ist die Verschlüsselung eine Option beim Partitionieren, für Ubuntu empfehle ich Dir die hilfreichen Foren (z.B. ubuntuusers.de) Aber meines Wissens gibt’s bei Ubuntu die Verschlüsselung auch bereits als Option.
Schöne Feiertage auch
Chris