Frei nach dem Linux Magazin 04/09 eine kurze Aufstellung der 10 ziemlich alles umfassenden Argumente, die für den Einsatz von Linux und Opensource sprechen. Die Reihenfolge ist übrigens willkürlich und spiegelt keine Priorität wider:
1.) Transparenz: Ein Einblick in die volle Konfiguration und sogar den Quelltext des Kernels und der eingesetzten Softwareinfrastruktur ist jederzeit möglich. Linux lässt sich auch „From scratch“ also von Grund auf selbst bauen, was nicht nur zu Schulungszwecken unschätzbare Dienste leisten kann. Auch „Gentoo“ lässt dies zu, nur lernt man durch die dort automatisierten Abläufe nicht ganz soviel über die inneren Werte des Kernels. Bei proprietären Produkten jedoch hat der Benutzer eine geschlossene „Blackbox“ vor sich liegen, die theoretisch alles machen kann, ohne jegliche Kontrolle.
2.) Effizienz und Genügsamkeit: Auf dem Server ist das freie Betriebssystem nach wie vor ungeschlagen. Apache beispielsweise kann dank Prozess-Forking fast die fünffache Menge kleiner Dateien ausliefern (bei den mittleren und grossen schrumpft der Vorsprung dann auf 100 bzw. 10 Prozent mehr. Auf dem Desktop liegt Linux ungefähr gleichauf mit Windows XP dank verbesserter ACPI-Unterstützung der letzten Jahre. Der Hardwarehunger ist aber auch mit 3D-Effekten der Benutzeroberfläche ungleich bescheidener als beispielsweise mit Windows Vista. Mit „Tiny Core Linux“ etwa lässt sich gar ein Rechner mit 486DX-Prozessor und 32MB RAM noch mit einem brauchbaren Linux inklusive grafischer Oberfläche ausrüsten!
3.) Softwareverwaltung: Gerade in diesem Punkt gibt es eigentlich nichts zu diskutieren: Dank Paketformaten wie RPM und DEB und den entsprechenden Verwaltungsdatenbanken lässt sich jede verfügbare Software inklusive derer benötigten Abhängigkeiten auf Knopfdruck installieren und auch wieder absolut sauber entfernen. Ausserdem wird bei einer Aktualisierung nicht nur das Betriebssystem selbst (Kernel und Subsysteme) sondern auch gleich alle ebenfalls per Paketverwaltung installierte Software aktualisiert. Bei Windows gibt es das Auto-Update nur für die Software von Microsoft selbst. Daher hat praktisch jede Software von Drittherstellern einen Update-Daemon am laufen, was zusätzlich an den Ressourcen und Nerven der Administratoren zerrt. Ausserdem haben diese Daemons häufig eine weitere unangenehme Eigenschaft: Sie „telefonieren nach Hause” und senden unter Umständen beliebige Daten des Benutzers an beliebige Stelle. Sind diese Daemons verständlicherweise abgeschaltet, muss die Software immer von Hand aktualisiert werden, wobei die Dateien von jedem Hersteller separat bezogen und mit jeweils einem spezifischen Installer installiert oder aktualisiert werden. Dabei können jederzeit Bibliotheken überschrieben werden. Wer schon mal versucht hat, den Internet Explorer 5 mit Version 6 nebeneinander zu installieren, der weiss, wieviel Spass dies machen kann. Unter Linux können verschiedene Versionen ein und derselben Bibliothek (sogar der glibc!) und Software friedlich funktionierend nebeneinander existieren.
4.) Unabhängigkeit: Bei freier Software gibt es keine bösen Überraschungen mit Lieferanten, welche das Lizenzmodell von einem Augenblick auf den anderen zu Ungusten des Kunden ändern. Man bezahlt letztendlich wenn überhaupt nur den Support, d.h. die reine menschliche Arbeit und nicht anonyme Riesenfirmen mit mehr Anwälten und Verkäufern als Entwicklern und Supportern. Letztendlich sorgt quelloffene Software für mehr belebende Konkurrenz in einem Geschäft, wo viel über die „freie Marktwirtschaft“ geschwafelt wird, letztendlich aber Monopolismus und Protektionismus an der Tagesordnung sind. Dies erhöht auch die Sicherheit der Investitionen: Sollte ein Drittanbieter Konkurs gehen, hat man den Quelltext der Software zur Verfügung und kann sich jederzeit an eine andere Stelle wenden oder gar die Weiterentwicklung selbst in die Wege leiten. Ist die Software closed-source ist man tatsächlich auf Gedeih und Verderb dem Hersteller ausgeliefert. SAP mit ihrem neu obligatorischen „Enterprise Support“ ist in meinen Augen ein gutes Beispiel dafür. Da passen kleine und mittlere Betriebe auch schnell mal aus Kostengründen ihre vorhandenen Strukturen und Produkte an SAP’s Lösungen an, nur um sich kurz darauf im vergoldeten Käfig des Vendor-Locking wiederzufinden.
5.) Kosten: Zugegeben, dies ist ein zweischneidiges Schwert. Die Kosten für Linux sind kurz- und mittelfristig zwar viel tiefer, dafür aber langfristig gesehen höher (über 5 Jahre hinaus). Dies ergibt sich kurz gesagt durch tiefere Anschaffungspreise und im Schnitt etwas höhere Supportpreise. Hier würde einem natürlich jeder Verkäufer seine „Sicht der Dinge“ aufschwatzen. Meine Sicht als Administrator ist aber klar: Wenn Geld in Firmen mit Arbeitsplätzen, welche den echten Bezug zur Branche haben fliesst, ist dies auch bei höheren Kosten besser als wenn es Firmen mit überproportional vielen branchenfremden Arbeitsplätzen (Anwälte, Rechtsabteilungen, Verkäufer etc.) zugute käme.
6.) Softskills / Zufriedenheit: Benutzer von Open Source zeigen gem. Umfragen von Wilken/Heise Open eine erheblich höhere Zufriedenheit als Benutzer von proprietärer Software. Dies kann nicht nur aus einer offeneren Einstellung der Benutzer selbst her kommen. Es gibt heute nämlich auch Benutzer (z.B. Angestellte der Stadt München), welche von Anfang an Linux benutzen, ohne dies direkt als Alternative zu wählen.
Administratoren im Open Source Umfeld sind als pragmatisch und weltoffen bekannt, misstrauen aber einfach den grossen Konzernen, da diese rein gewinnorientierte Unternehmen sind (keine ernsthafter Admin nimmt beispielsweise die Ankündigungen von Microsoft im Bereich Opensource wirklich ernst). Ausserdem vertraut ein Linux-Administrator seine Zukunft nur sehr ungern einer Software an, deren Code er nicht jederzeit einsehen kann, um Fehler schnell beheben zu können mithilfe der Entwickler oder der Community.
7.) Portabilität: Linux ist mittlerweile auf ca. 24 (Tendenz zunehmend) verschiedenen CPU-Architekturen lauffähig vom Superrechner bis zum Handy (Nur NetBSD kann noch mehr vorweisen). Bei Windows sind es deren 2 (x86, x86_64), wenn ich mich nicht täusche? NT unterstützte damals noch 4 Plattformen.
8.) Tragfähigkeit / Businesskonzepte: Die Frage, warum Menschen ohne Lohn an einer Software arbeiten führt meistens auch zur Überlegung, was denn mit den Benutzern passiert, wenn die Entwickler mal keine Lust mehr haben, weiterzuarbeiten, da sie ja nicht vertraglich gebunden sind? Die Antwort: Da der Quellcode frei verfügbar ist, kann jederzeit eine andere Community oder Firma die Weiterentwicklung und/oder den Support übernehmen. Man kann auch selbst die Software weiterentwickeln, wenn man sich bestimmte Features wünscht und niemanden findet, der die Entwicklung weiterführt.
Wie können die Menschen, welche mit viel Leidenschaft und auch Idealismus ihre Zeit und geistige Kraft in ein Projekt stecken, gar davon leben? In den allermeisten Fällen lautet die Antwort darauf: Vom Support. Es gibt einige Fälle, in denen gemischte Lizenzformen zum Einsatz kommen (erweiterte Features nur beim Kauf einer Lizenz u.ä.) aber diese sind meistens nicht sehr erfolgreich und das meiste Geld wird nach wie vor mit dem Support der Software verdient. Auch für den Kunden ist es ein besseres Gefühl, echte und ehrliche Arbeit anstatt fast nur Anwälte und Verkäufer von Grosskonzernen zu bezahlen. Natürlich ist klar: Mit freier Software wird man niemals so reich wie Bill Gates oder Steve Jobs.
Die Gegenfrage zur ersten Frage müsste übrigens lauten: Was passiert denn, wenn ein Unternehmen, welches Closed Source Software anbietet Konkurs macht, oder ganz einfach entschliesst, ein Produkt einzustampfen (was bei Übernahmen von Konkurrenzprodukten sehr häufig passiert)? Gar nichts. Der Kunde hat schlicht keine Möglichkeit, die Software ohne Quellcode weiterzuentwickeln. Er muss eine Alternative suchen.
9.) Sicherheit: Auch hier sind die Fakten hinlänglich bekannt. Systembedingt können und werden Windows-Varianten in der heutigen Form niemals sicher sein, egal wie sehr uns dies die Marketingabteilung mit „Get the facts“-Aktionen weiszumachen versucht. Schon alleine durch die Transparenz, welche mit freier Software besteht, werden Fehler offen kommuniziert und schnell behoben. Aber auch die Architektur des Betriebssystems hat einen grossen Anteil an der Sicherheit. Linux stammt durch seine Unix-Verwandtschaft aus den Serverräumen, wo Multiuser-Systeme schon vor über 30 Jahren Alltag waren. Daher ist das System schon inhärent sicherer. Zusätzlich gibt es durch verschiedenste Massnahmen wie „Selinux”, „AppArmor”, uvm. auch eine äusserst gute Absicherung gegen mutwillige Angriffe von Innen und Aussen. Natürlich kommt es wie immer auch auf den Administrator an, wie sicher die Systemumgebung im Endeffekt ist. Windows ist nicht sicher und wird es in absehbarer Zeit nicht werden, Punkt.
10.) Fehlerbehebung / Verbesserung: Da nahezu jedes freie Softwareprojekt auch ein Bugtracking-Werkzeug (meistens Bugzilla) mitbringt, kann der Benutzer jederzeit Fehler oder Abstürze melden. Bei Problemen mit Windows-Software sendet ein Windows-Agent Daten an einen unbekannten Empfänger sendet (der Inhalt ist dem Benutzer sowieso völlig unbekannt). Bei Linux landen diese Fehlermeldungen nicht einfach im unbekannten Nirgendwo. Sie werden meist sehr schnell durch jemanden angeschaut. Manchmal wird der Benutzer aufgefordert, entsprechende Tracebacks zu senden und hat so die Möglichkeit, sich direkt an der Verbesserung der von ihm eingesetzten Software zu beteiligen. Auch dies ist ein nicht zu unterschätzender „Soft”-Faktor, der Benutzer ist so nicht länger einem Gefühl von Machtlosigkeit gegenüber dem Grosskonzern ausgeliefert.
