Tja, manchmal juckt es mich einfach in den Fingern, vor allem, wenn ich in semiprofessionellen Heftchen von irgendwelchen Firmen pseudojournalistischen Unsinn lesen darf (gezwungen wurde ich ja nicht dazu
. Ein Beispiel ist die aktuelle Heftchen (04/2009) der Schweizer Krankenversicherung “Sanitas“. Die Wortwahl in den Artikeln ist nicht nur häufig unpassend, sondern auch menschenverachtend. Der Gebrauch des Unworts “Überalterung” (nein, dieses Wort gibt es nach wie vor nicht) zeigt dies einmal mehr. Dazu mein Leseremail, das wieder mal viel zu lange geraten ist, aber die aktuelle Situation der Krankenkassen aus meiner Sicht treffend beschreiben mag:
Guten Tag Im Artikel "Die Übernachtung im Spital ist oft unnötig" von Herrn <Name entfernt> fiel mein Blick beim Überfliegen schon in der ersten Spalte auf folgenden Satz "Dies ist eine infolge der voranschreitenden Überalterung der Gesellschaft verbreitete Krankheit." Dieser Satz scheint ein gutes Abbild Ihrer Ansichten (und der vieler anderer privaten Krankenkassen) über unsere Gesellschaft darzustellen. Als ob die älteren Mitmenschen eine "voranschreitende" Krankheit unserer Gesellschaft wären! Ich empfinde solche Sätze mit dem Unwort "Überalterung" als ungeheuer abstossend und menschenverachtend, die Wortwahl liegt aber bestimmt nicht nur an mangelnder Weitsicht des Autors, sondern dürfte vor allem von dessem täglichen Arbeistumfeld massgeblich beeinflusst worden sein. Ich werde meiner Partnerin natürlich dringend empfehlen, eine humanere Krankenkasse zu wählen (falls es so eine noch gibt). Wenn man dazu noch an den Plakatwänden sehen darf wie junge und gesunde Leute und Familien geködert werden mit millionenteuren Werbekampagnen, während Kranke und Senioren nur noch als Kostenfaktoren dargestellt werden, scheint die vernünftigste Konsequenz eigentlich nur noch eine staatliche Krankenversicherung mit direktem Lohnabzug zu sein. Auch wenn dies keine perfekte Lösung wäre, scheint es immer noch viel besser als fortschreitender Zynismus und menschenverachtende Bürokratie, die seit vielen Jahren aus dem Produktivitätswahn der Privatwirtschaft resultiert. Politisch bereiten Sie selbst (und die meisten anderen KK's) derzeit gerade den Weg dazu. Heute werden nicht körperliche sondern psychische Krankheiten wie Depressionen immer verbreiteter bei den Senioren, kein Wunder, denn sie fühlen sich wertlos (das wurde mir beim Altersheimeinsatz vielfach bestätigt), dazu müssen sie ja nur einmal die Zeitung aufschlagen oder den Fernseher einschalten und schon wird dem Senior vorgerechnet, dass er zuviel kostet und zu lange lebt etc. Aber Menschen werden nun einmal krank und müssen auch irgendwann einmal sterben. Trotz dieser einfachen Tatsachen treiben die Krankenkassen aber weiterhin ihr gefährliches Spiel der Desolidarisierung. Zum Glück finden viele Bürger in diesen Zeiten heraus, dass "Zusammen" immer mehr bedeutet als "Einzelne gleichzeitig". Das Leben ist kein Nullsummenspiel! Vielleicht hilft es Ihnen ja, wenn Sie sich 3mal täglich vor und nach den Mahlzeiten sagen: "Menschen sind keine Zahlen in Listen, sondern Wesen mit Gefühlen und fast unendlichem Potential, wenn sie friedlich kooperieren" um in eine positivere Denkweise einzusteigen. Es gäbe auch genügend einschlägige Literatur, die einem hier helfen kann, den Zynismus zu überwinden.

merci für den tollen Brief!
Den sollte man gleich kopieren und einsenden
Die Antwort wie üblich: “Wir freuen uns, dass Sie unsere Artikel gelesen haben, etc. etc.” Egal, das Thema des Artikels habe ich mit dem Brief sowieso nicht getroffen, aber es geht mir um die Art und Weise, in der heute im Bereich der Krankenkassen ständig perfid die Solidarität torpediert wird. Sowohl mit sprachlichen als auch mit konkreten vertraglichen Mitteln. Dieser Wahnsinnsapparat gehört verstaatlicht, denn er ist längstens ausser Kontrolle geraten beziehungsweise war es nie.