Ein GTA Spiel mal wieder in den Schlagzeilen. An sich nichts Neues, aber diesmal ist nicht die Gewalttätigkeit das Zentrum des Interesses, wie man es von den Medien erwartet hätte, nein, dieses Jahr findet man das Spiel in den Kulturabteilungen, Feuilletons und Kolumnen namhafter Blätter und TV-Sendungen. Die Lobeshymnen häufen sich.
“Völlig über-hyped, es ist nach wie vor nur ein Spiel” dachte ich mir. Als ich dann aber doch mal etwas tiefer reinschaute, offenbarte sich mir, dass mit den technischen Möglichkeiten seit Version 2 auch neue Dimensionen Einzug gehalten haben. Ich will hier keinen Spiel-Review machen, das können andere viel besser. Nur so viel: Ihr werdet hier derart viel und tief in Amerika’s Seele blicken können, wie es Euch mit 10 Jahren Lesen der New York Times nicht gelingen würde.
Das wohl bekannteste “Geheimnis”: Das Herz der Freiheitsstatue in Ketten:

Lest jeden Text, den Ihr vor die Augen bekommt, es lohnt sich! Die Spam-Mails sind lustigerweise die besten Startpunkte, um auf die mit Ironie und schwarzem Humor gespickten Fake-Websiten zu gelangen (die übrigens im echten Internet alle von Rockstar Inc. gekauft wurden).
Einige Highlights: Die Webseite der Bank of Libery hat einen netten Disclaimer, der in jedem Falle beim Identitätsklau die Schuld dem Kunden zuschiebt. Schluss-Satz: “It’s your fault, even if it’s ours”. Einfach Weltklasse!
Hier eine vollständige Liste der besuchbaren Internetseiten in GTA 4.
Sogar eine Linux-Veräppelung gibt’s da (www.eunux.net) und auch Apple soll dabeisein ( “Think Fruit”, allerdings etwas versteckt auf einem Computer in einem Internet-Café) es kann wohl wirklich jeder etwas finden, wo er selbst das Ziel der Ironie ist.
Besonders witzig sind auch die durchaus gut ausgedachten psychologischen “Profile” der Inserenten einer Partnersuch-Website (www.love-meet.net) Da ist die Dame, welche gerne Kuschel-Katzen hat, gleichzeitig aber auf starke Männer steht. Oder der Hetero (was er betont), welcher ganz und gar nicht schwul ist und eine kurzhaarige Frau sucht, welche auf Gladiatorenfilme steht und idealerweise einen Bruder hat, der Angelausflüge mit ihm machen kann. Kaum zu überbieten.
Klar, dass die Ironie nur bei den Spielern wirklich ankommt, die ein Grundmass an Allgemeinbildung oder aber eine gewisse Lebenserfahrung haben. Sprich das Spiel ist nicht nur wegen der Gewaltdarstellung nichts für Kinder. Dass die Perlen aber gewiss nicht vor die Säue geworfen wurden, beweisen gerade die vielen Erwähnungen auf den Kulturseiten, die dieses Spiel auch tatsächlich verdient hat.
Egal, wie oft Ihr von Eurer Freundin hört “Das ist doch nur ein doofes Ballerspiel!”, lasst Euch davon nicht beeindrucken, es trifft definitiv nicht zu, Ihr könnt Euch den ganzen hintergründigen Humor problemlos auch reinziehen, ohne einmal eine Waffe abzufeuern oder Unfälle zu bauen (die öffentliche Verkehr in Liberty City ist sehr gut zugänglich).
Der Schriftzug am Hochhaus deutet schon etwas auf die Selbst-Ironie der Entwickler hin:

Whadevah you say, whadevah you think, this game is good, word, but POSTAL STILL ROCKS hahahaaaaaaaaaa …
meauuuu………….mou……… klickklick……