Frei nach dem Linux Magazin 04/09 eine kurze Aufstellung der 10 ziemlich alles umfassenden Argumente, die für den Einsatz von Linux und Opensource sprechen. Die Reihenfolge ist übrigens willkürlich und spiegelt keine Priorität wider: Continue reading…
Dual-Monitor mit Nvidia’s Twinview unter Fedora 10
Nachdem sich der Anfangsstress bei meinem neuen Job als Vollblut-Linux-Admin etwas zu legen beginnt, ist wieder mal Zeit für ein paar Experimente: Schon viel zu lange habe ich dieses Thema aufgeschoben, weil ich mir sagte “Sowas brauch’ ich nicht”. Jetzt wo es einmal läuft habe ich mich schnell daran gewöhnt und will gar nicht mehr anders: Dual-Monitor-Betrieb ohne Xinerama-Ärger.
Wie das geht? Erstmal wie üblich: KEINE ATI-Karte kaufen, sondern den Konkurrenten bevorzugen (vielleicht darf ich diese Aussage endlich mal relativieren in einigen Jahren). Der Rest ergibt sich fast von selbst, denn mit nvidia-settings kann man die benötigten Einstellungen machen. Der Nachteil ist, dass man bei jeder X-Session von neuem die Einstellungen machen muss, da sie nicht im .nvidia-settings gespeichert werden. Man könnte auch die X11-Konfiguration speichern, dies funktioniert bei den modernen Distributionen allerdings nicht (das xorg.conf wird immer spartanischer oder existiert gar nicht mehr). Deshalb lässt man sich die X11-Einträge von nvidia-settings anzeigen und ergänzt sie dann selbst im /etc/X11/xorg.conf:
Section "Device" Identifier "Videocard0" Driver "nvidia" Option "NoLogo" "true" Option "TwinView" "on" Option "TwinViewOrientation" "RightOf" Option "MetaModes" "DFP-0: nvidia-auto-select, DFP-1: nvidia-auto-select" Option "Coolbits" "1" Option "RandRRotation" "yes" Option "AddARGBGLXVisuals" "True" EndSection Section "Extensions" Option "Composite" "Enable" EndSection
Auch hier gilt natürlich: Besser selber mit nvidia-settings erstellen anstatt nur kopieren.
KDE4 macht glücklicherweise fast keine Zicken mit dem Dual-Monitor-Betrieb, auch unter erschwerten Bedinungen wie bei mir (zwei verschiedene Auflösungs-Modi). Es muss lediglich eine sogenannte “Aktivität” unter Plasma hinzugefügt werden, welche sich automatisch der Auflösung des zweiten (rechten) Monitors anpasst. Anders als in anderen Betriebssystemen kann nun auch eine zweite Kontrollleiste erstellt werden, welche dem zweiten Monitor dann dieselbe Funktionalität zur Verfügung stellt wie dem “Hauptmonitor”.
Wie konnte ich sowas praktisches nur so lange ignorieren? Naja, im nächsten Artikel stelle ich Euch “multitail” vor, welches ich ebenfalls leider viele Jahre ignoriert habe.
Falling in love with Fedora 10… 1
Das Warten auf Fedora 10 hat sich mal wieder definitiv gelohnt! Ich komme trotz vorhandener ATI und Intel-Grafikkarten zwar noch nicht in den Genuss des besten grafischen Schmankerls: KMS (Kernel Mode Setting), aber der Rest scheint auf Anhieb zu klappen wie versprcchen. Es sieht aus wie aus einem Guss, der Bootprozess ist etwas schneller geworden und für mich als KDE-Fan wartet endlich ein einigermassen stabiles KDE 4.1 auf Arbeit. Pulseaudio ist stabiler geworden (wenn auch noch nicht bugfrei) und übernimmt nun alle Audio-Aufgaben, so hat Amarok z.B. gar keine Optionen mehr um die Ausgabe auf etwas anderes umzustellen und das ist gut so.
Hier ein kleiner Status meiner Installationen:
- iMac hat denselben Status (d.h. Mikro und Mausrädchen funktionieren noch nicht)
- Thinkpad: Bis auf die Thinkpad-Buttons (unter KDE4 noch nicht direkt unterstützt) alles o.k. Was mich absolut positiv überrascht und besonders freut: KDE4 scheint sogar mit eingeschalteten Desktop-Effekten genausowenig Strom zu verbrauchen wie KDE3! Im Leerlauf zwischen 11-13 Watt und mit Fensterbewegung (3D und transparent) maximal 16 Watt. Damit scheint KDE4 absolut Netbooktauglich zu sein.
Probleme
Natürlich gibt es auch bei diesem Release ein paar “Wie hat das bloss die Beta-Phase überstanden?” Erlebnisse:
- kpackagekit frisst unersättlich Memory, wenn keine Netzwerkverbindung besteht (Notebook)
- amarok 2.0 ist was die Oberfläche anbelangt noch im Betastadium und die Bedienung alles andere als intuitiv. Ausserdem werden Benutzer, die den “alten” Amarok geschätzt haben, verschreckt mit solchen krassen Oberflächen- und Backend-Änderungen
- Instabilitäten im Zusammenhang mit Xorg und KDE4 mit Dekstopeffekten. Beispiele: Abstürze (selten). Switching auf Konsole und zurück auf KDE (tty1) nicht möglich mit aktivierten Effekten (zumindest mit Intel-Grafikchip).
- xine läuft ca. 1 Sekunde bevor’s einen Speicherzugriffsfehler gibt
Nachtrag:
Nach längerer Testzeit sind mir doch noch ein paar mehr Dinge aufgefallen, vor allem solche, die eigentlich niemals so durch die Finger der Betatester rutschen sollten (ich vermute mal überhastete Updates vor dem Release?). Die Fehler betreffen die KDE-Version, über die Gnome-Version kann ich nichts sagen, da ich sie nicht benutze, aber wie ich Gnome kenne, läuft da alles stabil
- CD’s werden standardmäßig mit kscd wiedergegeben, nur leider ohne Ton! Lösung: Kaffeine benutzen In der Konfiguration das Ausgabegerät auf Phonon stellen (das sollte Standard sein, ist es aber leider nicht)
- Auch das Ripping-Programm (Sound Juicer) hat ‘ne Macke: Als wir eine CD der Freundin rippen wollten (frustriert durch obiges CD-Abspiel-Problem), sah ich, dass das Programm *.oga Dateien erstellte. “Na klar, Ogg Audio” dachte ich. Nur schade, dass Amarok dieses Format nicht erkennt beim Scannen der Sammlungs-Ordner! Lösung: Umbenennen nach *.ogg und Amarok erkennt die Stücke wie gehabt.
Fazit
Auf dem Notebook sollte man die Desktopeffekte nur anschalten, wenn man seine Freunde und Kollegen beeindrucken möchte. Danach sollte man vorerst darauf verzichten, weil man sonst im Gegenzug auf Funktionen wie Konsolen-Switch, Suspend-To-Ram und Suspend-To-Disk (resp. das Aufwachen macht Probleme) verzichten muss.
Sonst gibt es eigentlich nichts zu beachten, viel Spass beim Installieren und ausprobieren!
Quo vadis Canonical (Ubuntu)?
Nein, ich schliesse mich nicht einfach dem Canonical-Bashing an, aber Greg Kroah Hartman’s gesammelte Zahlen von Upstream-Kernelpatches der verschiedenen Firmen resp. Distributoren sprechen eine deutliche Sprache. Man muss dazu noch anmerken, dass er mittlerweile die Zahlen für Canonical nach oben korrigiert hat. Aber auch die hundert Patches zwischen Version 2.6.15 und 2.6.27-rc6 sind immer noch sehr wenig im Vergleich zu über elftausend von Redhat und über siebentausend von Novell.
In’s Rollen gebracht hat die Diskussion meines wissens Dave Jones mit einem Blog-Eintrag. Er reagierte damit auf eine Aussage von Canonical-Gründer Mark Shuttleworth in einem Interview mit dem standard.at, wo er sagt, dass es doch schön wäre, wenn alle Distributionen den angepassten Ubuntu-Kernel nehmen, da er doch so viele Hardware unterstütze. Greg’s Kroah-Hartman’s erster Vortrag bei einer Google-Veranstaltung und seine aktuelle Keynote auf dem “Linux Plumbers Conference” vom diesjährigen “Kernel Summit” mit den korrigierten Patch-Zahlen für Canonical setzten das Ganze fort.
Aus der Sicht der Kernel-Entwickler ist dies ein klares Missverhältnis zwischen dem in der Opensource-Szene üblichen Geben und Nehmen, was ich absolut verständlich finde.
Greg hat in seiner Keynote deutlich veranschaulicht, dass ein fehlender Upstream-Prozess, wie es bei CentOS beispielsweise der Fall ist, auch für den Benutzer mittelfristig nichts Gutes bringen wird.
Natürlich gab es kurz darauf entsprechende Gegenreaktionen von Ubuntu-Mitarbeitern.
Die Diskussion geht mittlerweile auf LWN weiter, es gibt auch Artikel, welche Canonical in Schutz nehmen vor ungerechtfertigtem Bashing. Jonathan Corbet hat darin ebenfalls Recht, wenn er meint, dass jede Distribution (meist zurecht) mit Kritik eingedeckt wird:
It is interesting to note that there appears to be a special place for distributors among those who would criticize. Red Hat, it has been said, drives things toward its own profit and has, in the past, pushed far too much bleeding-edge software on its long-suffering users. Fedora is accused of remaining insufficiently open, excessively bleeding-edge, and refusing to make the watching of flash videos just work. Novell/SUSE has done a deal with the devil. Debian, we are told, is simultaneously too chaotic and too bureaucratic, and it can never get a release out on time. Some charge that Gentoo’s community is dysfunctional, and that, in any case, it’s made up of people with too much time on their hands. And Ubuntu stands accused of taking the work of others while failing to give back to or even credit the community from which draws its software.
Mein persönliches Fazit: Es ist wichtig, dass diese Diskussion geführt wird, um den Unterschied zwischen Distributionen (Debian, Redhat, OpenSuSE, Fedora, …) und Re-Distributionen (CentOS, Ubuntu, …) zu sehen. Somit wird auch der Fokus wieder etwas zurechtgerückt, wer denn nun wirklich etwas für die gerngenannte Community macht und wer eher weniger. Letztendlich muss hier Canonical für alle Redistributoren (Mandriva, Xandros, …) als Prügelknabe herhalten, dies dürfte mittlerweile klar sein. Dennoch ist die Kritik gerechtfertigt, schliesslich handelt es sich um eine Firma, die letztendlich mit Linux ihr Geld verdienen will.
Die Verdienste von Canonical sind dennoch erheblich, wenn auch nicht im Upstream. Die Distribution hat Linux zu einen Verbreitungsschub auf dem Desktop verholfen, den es so noch nicht gab. Genau diese Tatsache wird widerum von einigen eher als Fluch denn als Segen betrachtet, es gibt also noch viel Diskussionsmaterial
Kompilier’ doch mal wieder
Die Karriere eines Linux-Geeks verläuft meistens ähnlich: Als erstes wird ein SuSE (heute wohl eher ein Ubuntu) installiert und man erfreut sich an der einfachen und schnellen Installation und danach an den unzähligen Gratis-Tools. Und dies ohne je einen einzigen Key oder Online-Aktivierung oder Zahlung machen zu müssen (geschweige denn irgendwelche suspekten Cracks einzusetzen). Häufig folgt darauf die Neugier, unter der Haube nachzusehen. Also lernt man viele Systembefehle, etwas Bash-Skripting und schon will man auch das Herz des Betriebssystems selber backen: den Kernel. In diesem doch schon etwas fortgeschrittenen Stadium wechseln viele Benutzer zwischenzeitlich zu Gentoo, denn dort lernt man den Bootstrap-Prozess eines Linux-Systems ziemlich intensiv (auch wenn dies meiner Meinung nach etwas überschätzt wird, denn Gentoo ersetzt keine Grundausbildung in Serveradministration u.ä.)
Danach wechselt man der Stabilität zuliebe zu [bevorzugte Distribution hier einfügen], wo meistens ein relativ aktueller Kernel mit allen benötigen Modulen bereitliegt. Kaum jemand kompiliert heute noch einen Kernel wegen dem Performancegewinn oder der Datei-Grösse. All dies ist bei modernen Desktop und Laptops nicht mehr allzu relevant.
Aber trotzdem backe ich den Kernel ca. seit Version 2.6.25 selbst, zumindest für meine speziellen Maschinen. Dies hat vor allem mit der Qualität von RC-Kerneln zu tun und der Entwicklungsgeschwindigkeit, die sich meiner Laien-Meinung nach merklich erhöht hat. Musste ich für meinen iMac sehr lange warten, bis ich die Soundkarte via Hack zum laufen bekam, wird sie mit Kernel 2.6.27 direkt und korrekt erkannt. Und auch der Thinkpad X61s bedankt sich für aktuellste Intel-WLAN-Treiber (oh ja, denn der alte Zweig war ein _klein_ wenig instabil, Betroffenen wissen, was ich meine). Leider muss ich dort dann auf SE-Linux verzichten, da sich 2.6.27 nicht mit dem angegrauten Fedora 8 verträgt.
Es kann zurzeit also durchaus lohnend sein, wenn man neuere Hardware hat oder speziellere Geräte wie den iMac. Und mit einer funktioniereneden Konfiguration, welche man immer wieder aktualisiert, braucht man dazu effektiv ja nicht mehr als 5 Minuten an der Tastatur zu sitzen.
Ach ja, hier noch die Kernel-Konfiguration, wie sie für iMac und Thinkpad funktionieren sollte: kernel-config-26