Kuhfladen-Politiker

Posted by Chris on November 18, 2010

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Die beiden Vernunftbenachteiligten Claudio Zanetti und Claudio Schmid (beides – welch Überraschung – von der SVP) fordern, dass Journalisten bei staatlichen TV- und Radiogesellschaften Ihre Parteizugehörigkeit und ihre Wertvorstellungen offenlegen. Mal ganz abgesehen davon, dass dies das letzte Mal vor 70 Jahren in Deutschland gefordert wurde und die beiden bekannt für solche intelligenten Ergüsse sind, schmeisst man diese Meldung schnell in die Tonne. Aber halt! Transparenz ist doch eigentlich etwas Gutes! Zum Beispiel bei der Partei- und Kampagnenfinanzierung, wie es in den meisten demokratischen Ländern bereits gang und gäbe ist. Mal schauen, was der Zürcher Kantonsrat dazu meinte: Oh, schade, abgelehnt…naja…

Nichtsdestotrotz möchte ich als “freier Blogger” hier öffentlich meine Werte und Bücher (leider keine Parteibücher dabei) offenlegen. Seid Ihr bereit? Also, achtung: Ich bin ein linksextremer, schwuler, schwarzer, muslimischer, asylsuchender Terroristen-Jude und übe den Diskordianischen Glauben aus. Ach ja, und ich halte mich für relativ intelligent (=Lehrer, Studenten, alles was klar denken kann => Feindbild der SVP). Uff, das hat gut getan, es ist raus,  jetzt wissen es alle, vielleicht mögen mich die Claudio’s nicht mehr ganz so sehr, aber das war es wert.

Nachdem ich mich nun befreit habe von dieser Last zurück zum Thema. Die Claudios haben die guten alten “Medienkolchose”-Sprüchetüte hervorgekramt und einmal mehr vermutet, dass es eine linke Verschwörung von Journalisten im Fernsehen und Radio gibt (vermutlich weil Journalisten durch ihre Ausbildung die Jobs haben, die Claudio Zanetti gerne machen würde, was seine letzten Aktivitäten vermuten lassen).

Also mir ist bislang nicht wirklich aufgefallen, dass unser geliebtes Opa-TV irgendwie links wäre, denn jedesmal wenn ich einschalte sehe ich entweder den [WOCHENTAG EINFÜGEN]-Jass, ein Schwingfest, Kuhkämpfe, Kuhfladen-Big-Brother, romantisches Alpenglühen etc. Erst jetzt nehme ich da eine Giaccobo-Müller-Sendung von 50 Minuten am Sonntagabend um 22.00 Uhr als deutlichen Linksrutsch wahr, den wir so nicht hinnehmen dürfen! Wir fordern mehr Transparenz und mehr Kuhfladen im Fernsehen, damit unser Sender endlich wieder interessanter wird, auch für die junge Generation, die derzeit ja lieber solch abstossende Sender wie Arte, ZDF Neo oder noch schlimmer 3SAT-Kultur schauen, diese verzogenen Gören (aber auch da hat die SVP schon einen ganz schlauen, modernen Plan, da werden Kritiker wie ich noch ganz blöd aus der Wäsche schauen).

Wir sollten den Claudios  dankbar sein für seine Hingabe, seine sprachliche Gewandtheit im Verdrehen von Tatsachen (natürlich nur für gute Zwecke, nämlich seine eigenen).

[1] http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/region/SVP-SRGJournalisten-sollen-Parteibuch-zeigen/story/20894745

[2] http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/region/Kantonsrat-lehnt-Transparenz-in-der-Parteienfinanzierung-ab/story/10134279

[3] http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/rechtes-ufer/Claudio-Zanetti-wird-PolitTalker/story/21327359

[4] http://www.bernerzeitung.ch/schweiz/standard/Das-Volk-soll-die-Macht-ueber-die-Volksschule-uebernehmen/story/13961564

Wann kommt denn nun der Solarstrom? 1

Posted by Chris on September 15, 2010

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Zur Beantwortung dieser Frage müssen wir derzeit noch die Kristallkugel befragen… Nach Ray Kurzweil sollte der kritische Punkt bald da sein, an dem die Anzahl der Solaranlagen exponentiell wachsen wird. Er hatte damit schon recht was die Rechenkapazität von Computern angeht. Solarzellen gibt es seit 1954 (Photovoltaik war schon viel länger bekannt), auf Computer umgemünzt also 15 bis 20 Jahre später. Rechnen wir zurück => 1990 waren die Computer schon längst in der exponentiellen Wachstumsphase, also wird es langsam Zeit für private Solarstromversorgung in jedem Haushalt! Silizium gibt es mehr als genug (alle anderen Materialien wie Selen oder Indium dagegen nicht, sie werden trotz höherer Effizienz dabei kaum eine Rolle spielen).

Die Kristallkugel sagt uns jedoch: Grössere Solarparks werden nicht etwa unter der Fuchtel der UNO in der Sahara gebaut zum Wohle aller Menschen, auf dass sie mit freier Energie versorgt werden. Die ersten wirklich grossen Parks werden von Shell, BP etc. gebaut werden, also wird sich in diesen Hinsicht die Macht über die Energieherstellung nicht gross verschieben (nur die Produktionskette wird sich ändern). Das mag nicht so schlimm klingen, Hauptsache die grossen Solarparks entstehen überhaupt. Nur leider leben wir in der Welt des Geldes und diese Firmen wollen so schnell wie nur irgend möglich ihre Investitionen wieder mit Zinsen (pardon, Dividenden) zurückerhalten. Für die Stromnutzer bedeutet dies wie immer nur eins: höhere Preise vor allem bei Kleinmengen. Wir sehen also in der Kristallkugel: Das exponentielle Wachstum wird kommen, aber so lange das System sich nicht ändert, so lange Energie bis zu einer bestimmten Obergrenze nicht als Teil der normalen jedem Menschen zur Verfügung zu stellenden Infrastruktur wird, werden sich dieselben mafiös operierenden Grosskapitale an dem Wachstum bereichern. Denn nur das Wachstum interessiert diese Firmen. Sei es zufälligerweise das Wachstum von grünem Strom oder das Wachstum von Nuklearsprengköpfen. Da geht es nicht um das grosse Ganze, die Menschheit und deren Weiterkommen. Ausserdem wird es wie bei der Dotcom-Blase eine Solarblase geben, viele unseriöse Anbieter werden den Boom ausnutzen wollen und es auch schaffen, da breites Wissen über die zugrundeliegende Technik noch nicht vorhanden ist.

Wir verlassen diese pessimistische Kristallkugel und geben uns der Hoffnung hin, dass die Regierungen das schon regeln werden; dass sie sich irgendwie als Konglomerat zusammenraufen und in der Sahara den berühmten 20%-Solarpark errichten werden (20% der Fläche oder 700x700km mit Solarzellen bestückt decken voraussichtlich den Bedarf an Energie der ganzen Welt).

Ich persönlich lade zu meiner Schande noch nicht einmal mein Handy mit Solarstrom, aber ich KÖNNTE es jederzeit tun ;-)

Swisscom Digital TV im Geek-Kurztest 3

Posted by Chris on August 16, 2010

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Nachdem ich in diesem Bereich nicht den sogenannten “Early-Adaptor” spielen wollte, sondern mehr als fünf Jahre gewartet habe, war ich nach Besuchen bei Freunden sehr schnell überzeugt, dass digitales TV heute gut brauchbar ist. Überall war Cablecom TV im Einsatz, aber ich habe meine Erfahrungen mit der Firma gemacht und entschloss mich nach kurzen Preisvergleichen (was kostet es mich insgsesamt, wenn ich den SciFi-Kanal haben will?). Ausserdem dauerte mir den Senderwechsel (auch bei Leuten mit 20Mbit Bandbreite) zu lange. Nach fünf Tagen war es schon soweit: Ich installierte die viel zu grosse Box und es funktionierte alles auf Anhieb. Diese Box ist so gross wie eine PS3 (erste Generation!) und hat ebensolaute Lüfter und dürfte daher auch im Standby eine Menge Strom vertilgen. Meine Befürchtungen, der Senderwechsel wäre bei Swisscom ebenso langsam, stellten sich als unbegründet heraus. Ich zappe über die Box schneller als mit dem Fernseher selbst (Philips, ca. 4 Jahre alt, braucht ca. 1,2 Sekunden zum Senderwechsel).

Die TV-Box: Ja, auch 2010 ist sie noch so riesig!

Meine knappe Beurteilung der beworbenen Features:

  • Die Bildqualität ist in der Tat exzellent
  • Es gibt leider nicht viele HD Sender
  • Die Video on Demand Filme sind sehr einfach zu handhaben und die Auswahl ist sehr gross
  • Nur wenige Sender (bei mir Disneychannel) haben erkennbare Probleme mit Kompressionsartefakten
  • Gute Auswahl Radiostationen / Internetradio

Und hier die Geek-Infos:

  • Ein HD-Film benötigt 7 MBit. Diese Bandbreite sollte man immer abziehen, also lohnt sich praktisch nur eine Leitung mit mehr als 10 Mbit, weil sonst vermutlich mehr Kompressionen (und dadurch mehr Artefakte => schlechtere Bildqualität) verwendet werden.
  • Man kann Serien (wie StarTrek) sehr einfach und komfortabel aufnehmen, obwohl ich teilweise Zeitverschiebungen bemerkt habe.
  • Die TV-Box ist älterer Machart und das merkt man: Windows CE (3 Abstürze bisher, Startzeiten bis zu 4 Minuten möglich), Festplatte mit 160GB (könnte schlimmer sein, es reicht für einige Filme und Serien)
  • Die Box hat kein WLAN (weshalb vernünftigerweise auch ein 15 Meter LAN-Kabel mitgeliefert wird)!
  • Im Gegensatz zum Betriebssystem der Box scheint die eigentliche TV-Software recht ausgereift zu sein (wobei komfortablere Suchfunktionen wünschenswert wären, diese sollen gem. Swisscom im Dezember etwas besser werden)
  • Alle Sender-, Such- und Programmierfunktionen sind online verfügbar, was komfortabler in der Bedienung ist. Nur leider ist die Webseitenstruktur von Swisscom nicht gerade übersichtlich und man benötigt verschiedene Logins in div. Bereichen (Swisscom-Login hier, Modem-Login da…)

Alles in allem ist digitales Fernsehen das TV, wie es schon immer hätte sein sollen: Jeder kann praktisch zu jeder Zeit genau die Inhalte anschauen, die er möchte und kann die Werbung überspringen (leider fehlt eine automatische Werbeblockfunktion). In ungeübten Händen jedoch besteht natürlich die Gefahr des “Verzappens”. Genau dies haben wir uns in 12 Monaten ohne Fernsehen abgewöhnen können. Wenn ich also Lust habe, Jazz zu hören oder StarTrek zu schauen, so muss ich nicht erst alle Sender durchsuchen oder auf den Zeitpunkt warten, sondern habe die entsprechenden Inhalte praktisch sofort zur Verfügung (Spartensender oder Serienaufnahme). Dadurch spart man tatsächlich Zeit und schaut viel entspannter und besser gelaunt (keine Werbung!) fern.

[1] Senderliste Swisscom: http://www.swisscom.ch/res/tv/sender/index.htm

Die Zehn Regeln für populistische Politiker

Posted by Chris on Juni 10, 2010

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Diese Tipps lagen schon lange in meiner Schublade, sind heute aber noch genauso anwendbar. So sollen sie nun den Aspiranten der erfolgreichen Politik behilflich sein…

  1. Wenn Sie eine Wahl oder Abstimmung gewinnen, verhöhnen Sie schamlos die Verlierer. Diese Freude haben Sie sich verdient!
  2. Sollten Sie allerdings eine Wahl oder Abstimmung verlieren, geben Sie Ihren Partnern oder den Medien die Schuld. Eigentlich völlig egal, geben Sie einfach irgendjemand anderem die Schuld!
  3. Erzählen Sie, wie sehr Sie sich für die Bauern und die kleinen Unternehmen einsetzen und versuchen Sie gleichzeitig, die staatliche Unterstützung für dieselben abzubauen. Schließlich ist das Geld bei Ihrem Grossunternehmen besser aufgehoben!
  4. Lassen Sie sich mit einer Schusswaffe bei Ihrem Hobby fotografieren, um besonders vertrauenserweckend zu wirken
  5. Bauen Sie in jeden Satz, den Sie aussprechen, mindestens zwei militärische Metaphern ein; z.B. Front, Schlacht, Truppe, Miliz, Schützengraben. Vermeiden Sie aber Ausdrücke wie “Führer”, “Endlösung” u.ä.
  6. Frühere Ausrutscher von Ihnen oder jetzige Ausrutscher von Ihren Kindern bezeichnen Sie als “Jugendsünden”, fordern aber gleichzeitig härtere Strafen für Jugendliche und Kiffer (denn die Jungen Leute muss man ohnehin alle bestrafen, weil…naja…einfach weil sie jung sind!)
  7. Vermeiden Sie unbedingt, dass Ihre Frau auch nur das geringste Anzeichen von Selbständigkeit zeigt
  8. Leben Sie nach der Berlusconi-Maxime: “Versuche mit allen Mitteln zu gewinnen, verachte die Schwachen und krieche den Starken in den Arsch”
  9. Machen Sie bei jeder Gelegenheit auf die “linke Gefahr” aufmerksam, auch wenn die 50er Jahre vorbei sind. Merke: Wer den Armen und Schwachen helfen will, ist Kommunist. Denn die Armen sind selbst schuld!
  10. Seien Sie korrupt flexibel

Blinder taubstummer Mittelstand 1

Posted by Chris on April 30, 2010

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Alle 6 Monate, wenn ich kurz davor bin, mein Beobachter-Abonnement zu wiederrufen überrascht mich die Redaktion mit einer Ausgabe, die praktisch nur lesenswerte Artikel beinhaltet. So auch bei der Nummer 9 von April 2010. Hauptthema: Der Beginn der Serie “Der bedrohte Mittelstand“.

Das Ende vom Mittelstand?

Ich kann hier nur ein paar der Highlights zitieren, etwa was die deutsche Publizistin Ulrike Herrmann sagt: „Im Kampf um die eigene Karriere entgeht der Mittelschicht, wie unerreichbar die Eliten sind, die ihren Status nicht etwa durch Arbeit erwerben, sondern von Generation zu Generation vererben“. Klarer kann man die derzeitige Situation des Mittelstandes wohl nicht ausdrücken. Wir sind so sehr mit Arbeit, Familie, Finanzen, Studium, Weiterbildung etc. beschäftigt, um “es” zu schaffen, dass wir nicht realisieren, dass “es” so unwahrscheinlich ist, wie einen Lotto-Sechser zu haben (wenn nicht noch unwahrscheinlicher)! Die Mittelschicht unter ständigem Leistungs- und Karrieredruck zu halten bei seiner gleichzeitigen Ausdünnung durch Reallohnsenkungen und Kostensteigerungen (vor allem der Mieten und Fixkosten wie Krankenkassen) kommt den erwähnten Eliten vermutlich gerade recht. Etwas überspitzt gesagt würde der Verlust einer stabilen Mittelschicht in eine Art Feudalität zurückführen, wo eine mehr oder minder willfährige Unterschicht den Adeligen (heute sind das die Reichen) die Stiefel putzt.

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