Die Zehn Regeln für populistische Politiker

Posted by Chris on Juni 10, 2010

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Diese Tipps lagen schon lange in meiner Schublade, sind heute aber noch genauso anwendbar. So sollen sie nun den Aspiranten der erfolgreichen Politik behilflich sein…

  1. Wenn Sie eine Wahl oder Abstimmung gewinnen, verhöhnen Sie schamlos die Verlierer. Diese Freude haben Sie sich verdient!
  2. Sollten Sie allerdings eine Wahl oder Abstimmung verlieren, geben Sie Ihren Partnern oder den Medien die Schuld. Eigentlich völlig egal, geben Sie einfach irgendjemand anderem die Schuld!
  3. Erzählen Sie, wie sehr Sie dich für die Bauern und die kleinen Unternehmen einsetzen und versuchen Sie gleichzeitig, die staatliche Unterstützung für dieselben abzubauen. Schließlich ist das Geld bei Ihrem Grossunternehmen besser aufgehoben!
  4. Lassen Sie sich mit einer Schusswaffe bei Ihrem Hobby fotografieren, um besonders vertrauenserweckend zu wirken
  5. Bauen Sie in jeden Satz, den Sie aussprechen, mindestens zwei militärische Metaphern ein; z.B. Front, Schlacht, Truppe, Miliz, Schützengraben. Vermeiden Sie aber Ausdrücke wie “Führer”, “Endlösung” u.ä.
  6. Frühere Ausrutscher von Ihnen oder jetzige Ausrutscher von Ihren Kindern bezeichnen Sie als “Jugendsünden”, fordern aber gleichzeitig härtere Strafen für Jugendliche und Kiffer (denn die Jungen Leute muss man ohnehin alle bestrafen, weil…naja…einfach weil sie jung sind!)
  7. Vermeiden Sie unbedingt, dass Ihre Frau auch nur das geringste Anzeichen von Selbständigkeit zeigt
  8. Leben Sie nach der Berlusconi-Maxime: “Versuche mit allen Mitteln zu gewinnen, verachte die Schwachen und krieche den Starken in den Arsch”
  9. Machen Sie bei jeder Gelegenheit auf die “linke Gefahr” aufmerksam, auch wenn die 50er Jahre vorbei sind. Merke: Wer den Armen und Schwachen helfen will, ist Kommunist. Denn die Armen sind selbst schuld!
  10. Seien Sie korrupt flexibel

Blinder taubstummer Mittelstand 1

Posted by Chris on April 30, 2010

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Alle 6 Monate, wenn ich kurz davor bin, mein Beobachter-Abonnement zu wiederrufen überrascht mich die Redaktion mit einer Ausgabe, die praktisch nur lesenswerte Artikel beinhaltet. So auch bei der Nummer 9 von April 2010. Hauptthema: Der Beginn der Serie “Der bedrohte Mittelstand“.

Das Ende vom Mittelstand?

Ich kann hier nur ein paar der Highlights zitieren, etwa was die deutsche Publizistin Ulrike Herrmann sagt: „Im Kampf um die eigene Karriere entgeht der Mittelschicht, wie unerreichbar die Eliten sind, die ihren Status nicht etwa durch Arbeit erwerben, sondern von Generation zu Generation vererben“. Klarer kann man die derzeitige Situation des Mittelstandes wohl nicht ausdrücken. Wir sind so sehr mit Arbeit, Familie, Finanzen, Studium, Weiterbildung etc. beschäftigt, um “es” zu schaffen, dass wir nicht realisieren, dass “es” so unwahrscheinlich ist, wie einen Lotto-Sechser zu haben (wenn nicht noch unwahrscheinlicher)! Die Mittelschicht unter ständigem Leistungs- und Karrieredruck zu halten bei seiner gleichzeitigen Ausdünnung durch Reallohnsenkungen und Kostensteigerungen (vor allem der Mieten und Fixkosten wie Krankenkassen) kommt den erwähnten Eliten vermutlich gerade recht. Etwas überspitzt gesagt würde der Verlust einer stabilen Mittelschicht in eine Art Feudalität zurückführen, wo eine mehr oder minder willfährige Unterschicht den Adeligen (heute sind das die Reichen) die Stiefel putzt.

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Stimmenfang oder Wahlmanipulation? 3

Posted by Chris on Februar 20, 2010

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Ich wunderte mich natürlich, warum aus der SVP-Ecke nicht härtere Worte fielen, keine Rücktrittsforderungen, Ausschaffungsdrohungen, nichts. Hans Fehr sagte am Radio nur was von “…sollte gerügt werden von der Parteispitze…”

Komisch, denn es geht ja immerhin um den Schwarzafrikaner Nationalrat Ricardo Lumengo also quasi das moderne Feindbild von Xenophoben. Das lässt darauf schliessen, dass es besagte Bürgerliche häufig eben auch nicht allzu genau nehmen, was den Stimmenfang im Altpapier oder in Altersheimen angeht.

Nichtsdestotrotz tut es mir immer weh, wenn eigentlich intelligente Menschen etwas so unglaublich dummes tun. Krankhafter Ehrgeiz scheint keine Parteigrenzen zu kennen. Wenn es auch noch so wahr ist, dass er Menschen beim Ausfüllen geholfen hat, so hätte er wissen müssen, dass dies eine Wahlmanipulation darstellt.

Die SP scheint derzeit grössere Probleme zu haben, als sie selber zugibt. Nicht einmal die Abzockerinitiative wurde aktiv unterstützt, das einzige linke Thema, dass beim verängstigten Volk noch zu platzieren gewesen wäre! Sie haben nun praktisch nichts mehr, um die Wähler in ländlichen Gegenden abzuholen. Selbst schuld, ich prophezeie mal, dass die SP, wenn überhaupt, praktisch nur noch urban oder in grösseren Ballungsgebieten handlungsfähig bleiben wird in den nächsten Jahren. Wird diese Rosskur sich vielleicht als das beste herausstellen, was passieren konnte, um den Bodenkontakt endlich wiederherzustellen? Die meisten Menschen sind nun mal einfach so: Es muss ihnen erstmal selbst dreckig gehen, bevor sie die nötige Empathie auch für andere Mitmenschen ausserhalb ihres engeren Umfeldes empfinden können. Zum Beispiel hätte dann auch eine staatliche Krankenkasse eine Chance, wenn geügend Nicht-Privatversicherte ihre Spitalerfahrung gemacht haben würden.

[1]  http://www.20min.ch/news/schweiz/story/Auf-Stimmenfang-im-Altpapier-28316083
[2] http://www.tagesschau.sf.tv/Nachrichten/Archiv/2010/02/19/Schweiz/Wahlmanipulationen-Ruecktritt-fuer-Ricardo-Lumengo-kein-Thema
[3] http://www.nzz.ch/nachrichten/wissenschaft/svp-fraktion_einstimmig_fuer_vorschlag_blocherminder_1.5035505.html

Mehr Fakten dank Microsoft

Posted by Chris on Februar 10, 2010

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Bin gerade darüber gestolpert, ist nicht ganz neu aber köstlich zu lesen: http://www.microsoft.com/switzerland/windows/de/internet-explorer/get-the-facts/mythbusting.aspx

Vor allem die Stelle betr. Einhaltung von Standards ist endgeil:

“Microsoft hat sich mit Internet Explorer 8 in jeder Hinsicht den Standards verschrieben. Neben der Tatsache, dass der Browser mehr offizielle CSS 2.1-Testsuiten bestanden hat als jeder andere Browser, beteiligt sich Microsoft auch praktisch am eigentlichen Testverfahren, indem Tausende neuer Tests für das Konsortium entwickelt und bereitgestellt wurden.”

Aah ja, Internet Explorer besteht also die Tests, die Microsoft selbst geschrieben hat, interessant, und all das in einem Satz…

Da werden wieder einmal ein paar arme Marketingfuzzies ausgelacht, naja, diese haben es verdient. Warum macht Microsoft immer weiter mit immer dämlicherem PR-Müll? Vermutlich sitzen alle im Meeting und nicken, wenn der nächste idiotische Vorschlag präsentiert wird, um ja nicht durch Kritik aufzufallen?

Juhuu, Religion und Politik! 1

Posted by Chris on Dezember 27, 2009

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Damit ich auch noch was zur Islam-Debatte (was für ein herrlich boulevardesques Wort) beitragen kann, aber dann ist das Thema auch abgeschlossen für mich: Das erste mal in der Schweizer Geschichte wurde nun also ein Baurechtsartikel (keine Gebetstürme von Religion A oder B) in der Verfassung verankert.  Lange noch werden wir mit gemischten Gefühlen auf diese Mutter aller dummen Initiativen zurückblicken. Unsere Enkel werden uns vielleicht fragen: “Warum eigentlich, es ist doch wissenschaftlich erwiesen, dass es keinen Gott gibt?” genauso wie wir unsere Grossväter fragten, warum soviele Menschen auf die gleichen Lügen hereingefallen sind. Nun, in erster Linie scheint es da um Angst zu gehen. Die Angst vor dem Fremden wird uns Schweizern in die Wiege gelegt. “Das Fremde” oder “Die Fremden” sind keine Bereicherung, wenn sie sich beteiligen am gesellschatlichen Leben oder Diskurs, nein sie sind eine Bedrohung sobald sie aus der absoluten Anonymität auftauchen. Versteht uns nicht falsch, wir Schweizer lieben Ausländer und Fremde, solange sie entweder:

  • a) viel Geld bringen
  • oder b) viel arbeiten für wenig Geld
  • resp. c) die Toiletten von uns Schweizern sauber halten
  • und d) Steuern zahlen (ausser Punkt a trifft auf sie zu, dann dürfen sie sogar praktisch Steuerfrei leben)

Natürlich sollte sich ein Fremder brav assimilieren, äh integrieren, das heisst: Am Gemeindeleben teilnehmen, in Vereinen aktiv sein, anderen helfen, in die Kirche gehen, den Hut auf der Stange immer schön grüssen, genauso wie es die Schweizer im Alltag ja alle auch tun (Ironie gratis).

Nun hat jaauch die christlich-extremistische CVP ihre Maske fallen gelassen(ich dachte immer die EDU wolle alle Ungläubigen verbannen, verbrennen geht ja nicht mehr). Schade, die CVP war einst eine eigenständige Partei. Nun wird sie von der SVP wie eine billige Hure behandelt und verspottet. Und ihre Exponenten scheinen es gar noch zu geniessen, mit solchen braunen Parolen etwas Aufmerksamkeit zu erhaschen. So, das war jetzt populistisch, was? Ich entschuldige mich in aller Form, wenn ich hier jemandem zu nahe getreten bin, aber das haltet ihr schon aus, oder?

Die Frage für den Bildungsbürger lautet nun: Wie kann man denn nun als vernünftig denkender Mensch mit solcher Doppelmoral umgehen ohne verrückt zu werden? Die Antwort: Das muss man gar nicht! Gute Menschen gab es auch im Wahnsinn des 2. Weltkrieges und sie lebten ihr Leben so gut es ging nach ihren ethischen Grundsätzen und genauso sollten wir das auch weiterhin tun, egal was für ein Sturm der Dümmlichkeit “draussen” auch toben mag. Ein integrer Mensch lebt den Humanismus tagtäglich (ob mit oder ohne Gott/Geist/Tao/[bevorzugte göttliche Entität einfügen]) und ist so ein Fels in der Brandung. Nein, ich zähle mich nicht zu diesen Menschen, leider…

In diesem Sinne, ein frohes neues Jahr, auf das die Vernunft nicht komplett begraben wird!