Die Welt ist wieder in Ordnung, wenn Microsoft FUD verbreitet… 1

Posted by Chris on Juni 20, 2009

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Die enge „Zusammenarbeit“ (man könnte es auch Prostitution in Form von Girobuchungen nennen) mit dem Hardwarehersteller Asus zeigt uns, das Microsoft endlich wieder so handelt, wie wir es von früher kennen. Zu sehen ist dies in der neuesten EEE-PC-Kampagne von Asus. Beim ersten Blick auf die dazugehörige Webseite glaubt man erst, es handle sich um einen Witz. Falls das Video Zicken macht, ist es auch auf Youtube erhältlich. Aber es ist kein Fake sondern durchaus ernst gemeint. Offenbar traut der Konzern Frauen maximal die Bedienung von Windows XP zu (welche dabei debil lächeln, während das Familienoberhaupt die Brötchen verdient). Da spricht Asus wohl ein ganz bestimmtes Kundensegment an, welches von Emanzipation noch nie gehört geschweige den gelesen hat. Die beste Frau meines Lebens kann im übrigen sehr wohl mit Linux umgehen, sogar mit Fedora und sie würde sich beim Anblick dieses Sülzfilmes ziemlich sicher übergeben.

Schade ist, dass Asus sich schamlos bedient hat bei Linux, denn fast jedes Motherboard wird seit geraumer Zeit mit Splashtop ausgeliefert, wobei es sich um nichts anderes als ein kleines Linux-System handelt (aber der Kunde soll dies tunlichst nicht wissen). Der sensationelle Erfolg einer neuen Geräteklasse innerhalb von wenigen Monaten, den sogenannten „Netbooks“, durch die EEE-PC’s wurde mit Linux möglich, welches damals das Standard-Betriebssystem war (vor allem weil kein neueres Windows auf den kleinen Kistchen lauffähig ist und Windows XP offiziell nicht mehr im Verkauf war). Schnell musste Microsoft handeln und holte XP aus der Mottenkiste, die Kunden sollten besser ein 8jähriges System vorgesetzt bekommen als freie Linux-Luft zu atmen. In einer Diktatur ist Bildung eben der größte Feind. Den Netbookherstellern wurden Angebote unterbreitet, die sie nicht ablehnen konnten und heute muss man Linux extra bestellen beim Netbookkauf.  So darf Asus heute offiziell als „Leecher“ bezeichnet werden, also „Blutegel“ oder „Schmarotzer“, da sie sich mit Opensource bereichert haben, ohne je etwas zurückzugeben.

Für Linux-Benutzer und Admins trotzdem ein Grund zur Freude, denn man konnte in letzter Zeit fast ein bisschen Angst bekommen durch all die Bemühungen von Microsoft in Richtung Opensource zu gehen. Ein Microsoft-Logo beim Booten von Novell’s SuSE hätte wohl so manchen Linux-Admin seine Berufswahl überdenken lassen. Aber zum Glück kehrt der Konzern zu seinen Wurzeln der FUD-Verbreitung zurück.

Genießen wir das  wohlige Gefühl, endlich wieder Gewissheit zu haben, auf der richtigen Seite zu spielen, die propagandistischen Kapitalisten tun wieder das, was sie am besten können: Schwachsinn verbreiten und hoffen, das jemand anbeisst. Etwas Undergroundfeeling kommt wieder auf. Und noch etwas Gutes: Die Wahl der nächsten Hardwarekomponenten wird auch ein bisschen leichter ;-)

Dual-Monitor mit Nvidia’s Twinview unter Fedora 10

Posted by Chris on Januar 28, 2009

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Nachdem sich der Anfangsstress bei meinem neuen Job als Vollblut-Linux-Admin etwas zu legen beginnt, ist wieder mal Zeit für ein paar Experimente: Schon viel zu lange habe ich dieses Thema aufgeschoben, weil ich mir sagte “Sowas brauch’ ich nicht”. Jetzt wo es einmal läuft habe ich mich schnell daran gewöhnt und will gar nicht mehr anders: Dual-Monitor-Betrieb ohne Xinerama-Ärger.
Wie das geht? Erstmal wie üblich: KEINE ATI-Karte kaufen, sondern den Konkurrenten bevorzugen (vielleicht darf ich diese Aussage endlich mal relativieren in einigen Jahren). Der Rest ergibt sich fast von selbst, denn mit nvidia-settings kann man die benötigten Einstellungen machen. Der Nachteil ist, dass man bei jeder X-Session von neuem die Einstellungen machen muss, da sie nicht im .nvidia-settings gespeichert werden. Man könnte auch die X11-Konfiguration speichern, dies funktioniert bei den modernen Distributionen allerdings nicht (das xorg.conf wird immer spartanischer oder existiert gar nicht mehr). Deshalb lässt man sich die X11-Einträge von nvidia-settings anzeigen und ergänzt sie dann selbst im /etc/X11/xorg.conf:

Section "Device"
        Identifier  "Videocard0"
        Driver      "nvidia"
        Option      "NoLogo" "true"
        Option      "TwinView" "on"
        Option      "TwinViewOrientation" "RightOf"
        Option      "MetaModes" "DFP-0: nvidia-auto-select, DFP-1: nvidia-auto-select"
        Option      "Coolbits" "1"
        Option      "RandRRotation" "yes"
        Option      "AddARGBGLXVisuals" "True"
EndSection
Section "Extensions"
        Option      "Composite" "Enable"
EndSection

Auch hier gilt natürlich: Besser selber mit nvidia-settings erstellen anstatt nur kopieren.

KDE4 macht glücklicherweise fast keine Zicken mit dem Dual-Monitor-Betrieb, auch unter erschwerten Bedinungen wie bei mir (zwei verschiedene Auflösungs-Modi). Es muss lediglich eine sogenannte “Aktivität” unter Plasma hinzugefügt werden, welche sich automatisch der Auflösung des zweiten (rechten) Monitors anpasst. Anders als in anderen Betriebssystemen kann nun auch eine zweite Kontrollleiste erstellt werden, welche dem zweiten Monitor dann dieselbe Funktionalität zur Verfügung stellt wie dem “Hauptmonitor”.

Wie konnte ich sowas praktisches nur so lange ignorieren? Naja, im nächsten Artikel stelle ich Euch “multitail” vor, welches ich ebenfalls leider viele Jahre ignoriert habe.

Sexy Shellskripte dank kdialog

Posted by Chris on Dezember 10, 2008

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Shellskripte müssen nicht zwangsläufig an die Shell in der Konsole gebunden sein. Sie können auch ansprechend verpackt werden für Otto Normaluser. Dazu gibt es verschiedenste Ansätze. Einer der modernsten und flexibelsten ist kdialog unter KDE4. Das Besondere an kdialog ist seine Fähigkeit zur Interprozess-Kommunikation (IPC) via DBus. DBus wurde von freedesktop.org entwickelt und ist mittlerweile bei fast allen Distributionen standardmäßig vorhanden. In KDE 3 kam dafür das KDE-eigene DCOP zum Einsatz. Noch früher in KDE 1 wurde eine Corba-Implementiereung verwendet. Beide Lösungen waren jedoch zu gross und umständlich.

Mein Beispielskript hier zeigt, wie man einen Fortschrittsbalken implementiert, welcher via DBus vom laufenden Shellskript gesteuert werden kann. Natürlich kann man via DBus noch viele weitere mehr oder weniger nützliche oder witzige Dinge machen mit dem jeweiligen Dialog, wie z.B. den Titel und Inhalt laufend verändern etc.

Solche Skripte müssen übrigens nicht auf KDE beschränkt sein. Es sollte schon mittels installierten kdelibs und natürlich kdialog möglich sein, dieselben unter Gnome, XFCE etc.laufen zu lassen, obwohl dort der Einsatz von zenity (GTK-basiert) eher angebracht wäre. Zenity ist praktisch in jeder Distribution installiert. Nur Leider fehlt dort der Progress-Callback resp. die Interprozess-Kommunikation. Zenity’s Progressbar ist dadurch eher eine simple Aktivitätsanzeige. Allen Alternativen zu kdialog ist gemein, dass sie die erwähnte Progressbar lediglich indirekt implementieren, z.B. indem sie die Prozentwerte des Balkens entgegennehmen oder die Aktivität während einer Operation anzeigen, Beispiel:

find /usr/bin | zenity --progress --pulsate

Durch die Verwendung von DBus können wir vielleicht bald auf eine wirklich Desktopunabhängige Lösung hoffen, indem z.B. auch zenity die Dialoge über DBus ansteuerbar macht…

Natürlich halten damit auch wieder die sleep-Anweisungen Einzug, damit nicht alle Text vorbeihuschen. Sie verlangsamen den Ablauf zwar insgesamt, aber bei einem Prozedur wie “USB-Stick entschlüsseln und einhängen” ist dies meines erachtens vernachläßigbar zu gunsten der Lesbarkeit der Infotexte.

#!/usr/bin/env bash
 
# TODO: Dieses Skript sollte durch das udev-System aufgerufen werden
# siehe dazu /etc/udev/rules.d/90-crypto-usb-stick.rules
 
USER=myuser
DEVICE=/dev/usbstick
MAPPERDIR=/dev/mapper/crypto_usbstick
MOUNTDIR=/media/crypto_usbstick
 
dbusRef=$(kdialog --title "Crypto-USB-Stick aktivieren und einhängen" --progressbar "Starte..." 2)
sleep 1
 
if ! kdialog --password "Bitte Passwort für Crypto-USB-Stick eingeben:" | cryptsetup luksOpen $DEVICE ${MAPNAME}; then
    kdialog --error "Konnte das Cryptodevice nicht erstellen! Vermutlich falsches Passwort eingeben?"
    qdbus $dbusRef org.kde.kdialog.ProgressDialog.close
    exit 1
fi
sleep 1
 
qdbus $dbusRef org.kde.kdialog.ProgressDialog.setLabelText "Verzeichnis $MOUNTDIR wird gesucht"
if [ ! -e $MOUNTDIR ]; then
    qdbus $dbusRef org.kde.kdialog.ProgressDialog.setLabelText "Verzeichnis $MOUNTDIR wird erstellt"
    mkdir $MOUNTDIR
fi
qdbus $dbusRef Set org.kde.kdialog.ProgressDialog value 1
sleep 1
 
qdbus $dbusRef org.kde.kdialog.ProgressDialog.setLabelText "Cryptodevice wird nach $MOUNTDIR eingehängt"
if ! mount $MAPPERDIR $MOUNTDIR -orw,user,exec,uid=$USER,gid=$USER; then
    kdialog --error "Konnte den Crypto-USB-Stick nicht in $MOUNTDIR einhängen!"
    qdbus $dbusRef org.kde.kdialog.ProgressDialog.close
    exit 1
fi
sleep 1
 
qdbus $dbusRef Set org.kde.kdialog.ProgressDialog value 2
qdbus $dbusRef org.kde.kdialog.ProgressDialog.setLabelText "Vorgang erfolgreich beendet!"
sleep 2
 
qdbus $dbusRef org.kde.kdialog.ProgressDialog.close

Thinkpad X61s unter 10 Watt! 3

Posted by Chris on Oktober 20, 2008

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All die Sparmassnahmen zeigen Wirkung: Letzte Woche unterbot mein Thinkpad im laufenden Betrieb (mit allen geladenen Modulen) die 10-Watt-Marke kurzzeitig (Langzeit 11,2W).
Und dies mit KDE 3.5 mit laufenden Anwendungen: 2 mal Konsole, gkrellm und was sonst noch so automatisch gestartet wird beim KDE unter Fedora 8:

Natürlich muss das Display dabei auf Batterie-Modus (50-60% Helligkeit) abgedunkelt sein, sonst werden sofort wieder 4-5 Watt mehr verbraucht. Externe Geräte sollten auch nicht angeschlossen sein. Nur ein simpler USB-Stick, der gemounted ist, erhöht den Verbrauch um über ein Watt. Ausserdem muss man etwas Geduld haben, um den Screenshot im richtigen Moment zu machen, weniger als 10 Watt sind wirklich eher die Ausnahme.

Wer kann dies unterbieten? Bitte im Kommentar einen Link auf den Screenshot hinterlassen, wenn Ihr’s geschafft habt ohne zu schummeln ;-) Ich weiss nicht, wieviel die neuen Netbooks (eee-PC und Co.) so brauchen, aber die müssten sowas doch mit Links erreichen, oder?

Quo vadis Canonical (Ubuntu)?

Posted by Chris on September 30, 2008

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Nein, ich schliesse mich nicht einfach dem Canonical-Bashing an, aber Greg Kroah Hartman’s gesammelte Zahlen von Upstream-Kernelpatches der verschiedenen Firmen resp. Distributoren sprechen eine deutliche Sprache. Man muss dazu noch anmerken, dass er mittlerweile die Zahlen für Canonical nach oben korrigiert hat. Aber auch die hundert Patches zwischen Version 2.6.15 und 2.6.27-rc6 sind immer noch sehr wenig im Vergleich zu über elftausend von Redhat und über siebentausend von Novell.

In’s Rollen gebracht hat die Diskussion meines wissens Dave Jones mit einem Blog-Eintrag. Er reagierte damit auf eine Aussage von Canonical-Gründer Mark Shuttleworth in einem Interview mit dem standard.at, wo er sagt, dass es doch schön wäre, wenn alle Distributionen den angepassten Ubuntu-Kernel nehmen, da er doch so viele Hardware unterstütze. Greg’s Kroah-Hartman’s erster Vortrag bei einer Google-Veranstaltung und seine aktuelle Keynote auf dem “Linux Plumbers Conference” vom diesjährigen “Kernel Summit” mit den korrigierten Patch-Zahlen für Canonical setzten das Ganze fort.
Aus der Sicht der Kernel-Entwickler ist dies ein klares Missverhältnis zwischen dem in der Opensource-Szene üblichen Geben und Nehmen, was ich absolut verständlich finde.
Greg hat in seiner Keynote deutlich veranschaulicht, dass ein fehlender Upstream-Prozess, wie es bei CentOS beispielsweise der Fall ist, auch für den Benutzer mittelfristig nichts Gutes bringen wird.
Natürlich gab es kurz darauf entsprechende Gegenreaktionen von Ubuntu-Mitarbeitern.
Die Diskussion geht mittlerweile auf LWN weiter, es gibt auch Artikel, welche Canonical in Schutz nehmen vor ungerechtfertigtem Bashing. Jonathan Corbet hat darin ebenfalls Recht, wenn er meint, dass jede Distribution (meist zurecht) mit Kritik eingedeckt wird:

It is interesting to note that there appears to be a special place for distributors among those who would criticize. Red Hat, it has been said, drives things toward its own profit and has, in the past, pushed far too much bleeding-edge software on its long-suffering users. Fedora is accused of remaining insufficiently open, excessively bleeding-edge, and refusing to make the watching of flash videos just work. Novell/SUSE has done a deal with the devil. Debian, we are told, is simultaneously too chaotic and too bureaucratic, and it can never get a release out on time. Some charge that Gentoo’s community is dysfunctional, and that, in any case, it’s made up of people with too much time on their hands. And Ubuntu stands accused of taking the work of others while failing to give back to or even credit the community from which draws its software.

Mein persönliches Fazit: Es ist wichtig, dass diese Diskussion geführt wird, um den Unterschied zwischen Distributionen (Debian, Redhat, OpenSuSE, Fedora, …) und Re-Distributionen (CentOS, Ubuntu, …) zu sehen. Somit wird auch der Fokus wieder etwas zurechtgerückt, wer denn nun wirklich etwas für die gerngenannte Community macht und wer eher weniger. Letztendlich muss hier Canonical für alle Redistributoren (Mandriva, Xandros, …) als Prügelknabe herhalten, dies dürfte mittlerweile klar sein. Dennoch ist die Kritik gerechtfertigt, schliesslich handelt es sich um eine Firma, die letztendlich mit Linux ihr Geld verdienen will.

Die Verdienste von Canonical sind dennoch erheblich, wenn auch nicht im Upstream. Die Distribution hat Linux zu einen Verbreitungsschub auf dem Desktop verholfen, den es so noch nicht gab. Genau diese Tatsache wird widerum von einigen eher als Fluch denn als Segen betrachtet, es gibt also noch viel Diskussionsmaterial ;-)