Die Schonzeit ist vorbei: Tatort Kommunikation und Erwartungen 1

Posted by Chris on August 17, 2011

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Nachdem die Vorzeichen es schon erahnen liessen, bestätigten die meisten Kritiken dann auch die Befürchtungen: Der erste Schweizer Tatort seit 9 Jahren ist Müll. Ich möchte gar nicht auf die Details eingehen (Verschiebung wegen schlechter Qualität / zu vielen Klischees, Gastschauspielerin mit Silikonhügeln ist bei Scientology und motzt hintenrum über die Dauer des Drehs usw.) Viel interessanter ist doch die Beantwortung der Frage, die man sich stellte, als man vor dem Fernseher dieses Trauerspiel mitansah: Wie kommt sowas überhaupt auf den Schirm? Gibt es keine Testvorführungen oder Qualitätskontrollen? Wenn man sich die Interviews mit den Beteiligten und die Artikel so anschaut, läuft es auf die übliche Problematik hinaus: Nicht kommunizierte Erwartungen. Was heute in jedem Projekt als Grundwissen vorhanden ist, fehlte: Stelle am Anfang klar, was der Auftraggeber wünscht und kommuniziere auch im Laufe des Projekts immer weiter mit ihm, um nötige Anpassungen rechtzeitig machen zu können.

Offenbar erwartete der Auftraggeber (ARD und co.), dass Schweizer _nicht_ sauber Hochdeutsch sprechen sollen. Die meisten Schauspieler kommen aus dem Theaterbereich und sind es sich gewöhnt, einen Goethe in klarsten Hochdeutsch zu präsentieren. Sie nach dem Dreh zu zwingen, die Synchronisation von Hochdeutsch auf unser “dümmliches Gekrächze” (Zitat eines deutschen Kommentators im Tagesanzeiger) umzustellen, tat bestimmt weh, und das merkt man auch. Man realisiert es nicht direkt, aber der ganze Film kam dadurch noch viel behäbiger und schwerfälliger rüber.

Dem gegenüber standen ebenfalls nicht kommunizierte Erwartungen der Macher und des Regisseurs, wie auch der Silikonzicke Schauspielerin Sofia Milos, die monierte, dass eine CSI-Folge in 9 Tagen gedreht sei, während der Tatort 5 Wochen in Anspruch genommen hätte (da darf sich jetzt jeder das Seinige dazu denken).

Knackig...irgendwie...

Einige Schweizer waren (siehe Leserkommentare im Tagi) etwas erschrocken, dass unser Land in letzter Zeit nicht mehr mit den sonst üblichen Samthandschuhen angefasst wird von  ausländischen Medien, wähnen sich gar als Opfer einer weltweiten Verschwörung. Ich denke mal, daran sollten wir uns langsam gewöhnen, denn nach den letzten 10 Jahren ist für uns die Schonfrist definitiv abgelaufen. Ich befürchte fast, dass man (um am Schluss noch wirschaftspolitisch zu werden) eine Parallele zur Schweizer Wirtschaft ziehen kann: Angestachelt von riesigen Bankgewinnen und gutem Image überschätzen wir uns und unsere Fähigkeiten in letzter Zeit zu häufig, dasselbe scheint auch den Filmemachern passiert zu sein. Das Ausland blieb indes nicht stehen, sondern hat heute ebenfalls höchste Qualitätsansprüche.

Was lernen wir daraus? Eigentlich nichts, ausser, dass man vor allem am Anfang von Projekten immer gut mit dem Auftraggeber kommunizieren sollten, um dessen Ansprüche und Erwartungen wirklich zu verstehen. Ansonsten ist später Ärger auf beiden Seiten vorprogrammiert.

[1] http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/fernsehen/Deutsche-Presse-verreisst-Schweizer-Tatort/story/20270242 
[2] http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/fernsehen/TVKritik-Botox-und-Berge/story/15718206

Apropos Vermögenssteuer: Von der Gier nach weniger… 1

Posted by Chris on August 10, 2011

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Ein paar Zahlen:

71000 = 0

150000 = 9

200000 = 67

Bedeutet: Bis zu einem Vermögen von 71’000 Franken zahlt man im Kanton Zürich gar nix. Bei einem Vermögen von 200’000 Franken muss man im Kanton Zürich eine Vermögenssteuer von 67 Franken bezahlen. Punkt. Und das ist der FDP und der SVP immer noch zuviel. Jeder kann sich seine eigenen Schlüsse daraus ziehen. Als ich vor einigen Jahren ein anständiges Sümmchen zusammengespart hatte (bevor ich es mit Aktien vernichtete), erschrak ich effektiv, wie wenig ich dafür zahlen musste (ein paar Franken höchstens). Wer also richtig reich ist und kein Einkommen versteuern muss (denn da wird’s bereits für die Mittelschicht so richtig teuer), der hat in der Schweiz ein Paradies gefunden. Wen wundert es bei dieser unverminderten, höhnischen Gier der Begüterten, dass die Chancenlosen es ihnen gleichtun (siehe London), einfach mit den ihnen gegebenen Mitteln? Mal ganz ehrlich, wer findet diese Gier nicht seit langem abstossend? Vielleicht noch diejenigen, die mit dem Motto “Tiefere Steuern helfen allen” eine Lüge durch vielfache Wiederholung zur Wahrheit werden lassen wollen? Man bedenke: Die Vermögenssteuern machen in unserem Land nicht einmal 1% des Bruttoinlandproduktes (BIP) aus. Wie soll dieses eine Prozent halbiert unsere Wirtschaft ankurbeln? Rein mathematisch gesehen merkt ein Zweitklässler schon, dass dies Unsinn ist.

[1] http://www.estv.admin.ch/dokumentation/00079/00080/00736/index.html?lang=de&download=NHzLpZeg7t,lnp6I0NTU042l2Z6ln1acy4Zn4Z2qZpnO2Yuq2Z6gpJCDdYR5f2ym162epYbg2c_JjKbNoKSn6A–
[2] http://www.svp-zuerich.ch/nt/download/zb/bote090220.pdf
[3] http://de.wikipedia.org/wiki/Verm%C3%B6gensteuer
[4] http://www1.arbeiterkammer.at/taschenbuch/tbi2011/einkommens-_und_vermoegenssteuern_in_-_des_bip.html

 

 

Ach, Demokratie ist doof….

Posted by Chris on August 05, 2011

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…dachte sich Christoph Blocher und versucht, mit anderen Superreichen, das doofe Volk erstmal auszuschalten, um ihre alten Ziele zu erreichen: Noch weniger Steuern für Reiche und Grossunternehmen, möglichst kein Verursacherprinzip mehr, Anrzeize zum Erhöhen des Stromkonsums, Atom-Ausstieg-Ausstieg etc.etc. Wie soll das funktionieren, das Volk würde doch bestimmt diesen finsteren Ansinnen per Referendum eine Abfuhr erteilen? – Ganz einfach, das Zauberwort heisst “Dringlichkeitsbeschluss“, ein Referendum ist unmöglich, punkt aus. Wer sich darunter nichts vorstellen kann: Erinnert Euch an den Oktober 2008, als “wir” den Grossbanken plötzlich 60 (und mehr) Milliarden in den Allerwertesten schoben. Abgesegnet aus lauter Angst, dass es bald keine Banken mehr gäbe, Kriegsrecht ausgerufen würde und was weiss ich alles diesen Angstpolitikern noch so vorschwebt. Was mich persönlich angeht, hätten wir durchaus den Mut aufbringen sollen, die Banken sich selbst zu überlassen, ein derart fragiles System dürfte ohnehin keine Überlebenschancen haben, auch wenn man es länger am Leben halten kann, indem man es mit dem (noch nicht verdienten) Geld und der (noch nicht geleisteten) Arbeit der kommenden zwei (oder mehr?) Generationen stützt…

Das Ergebnis des Ganzen kennen wir alle: Die reichsten 1% wurden noch viel reicher, während alle anderen viel Geld verloren haben (ob direkt oder indirekt via Pensionskasse oder zukünftigen Auswirkungen, wir alle haben derzeit 10-20% weniger Mittel als vor der Krise). Zudem haben alle Bonus-Diskussionen haben überhaupt nichts gebracht. _Jede_ Massnahme, die irgendeine Regierung einführte, um die exorbitanten, durch nichts zu rechtfertigenden Boni der Manager zu begrenzen, konnte durch irgendwelche Tricks derselben umgangen werden. Heute verdienen sie mehr denn je, während die Normalverdiener nicht mal 1% mehr verdienen (Ausnahme: Kreditbranche…). Im übrigen finde ich die Initiative der Juso (Manager dürfen nur 12 mal soviel verdienen, wie der tiefste Lohn der Firma) den Gipfel der naiven Vorschläge, nach wenigen Sekunden kommen einem viele Ideen in den Sinn, wie man dies locker umgehen könnte.

Dasselbe Spiel soll sich nun wiedeholen, in leicht abgeänderter Form: die Reichen sollen nochmals ein Stückchen reicher werden, alles wieder mit Angstparolen eingeläutet, denn der Mittelstand glaubt unbeirrt weiter, dass er eines Tages zu den 1% der Menschen gehört, due 95% des Vermögens besitzen. Man muss sich eben nur genug anstrengen! Natürlich ist dies Unsinn, aber die Angst, auch nur ein kleines Bisschen Wohlstand einbüssen zu müssen, scheint selbst solch durchschaubare Manöver möglich zu machen.

Wann ist endlich Schluss damit? Nach dem Krieg gab es in den meisten westlichen Demokratien einen progressiven Steuersatz ohne irgendwelche Ausnahmen für Reiche. Nur so war es überhaupt möglich, unsere exzellenten Infrastrukturen sowie eine starke Mittelschicht zu bekommen. Irgendwann hielt aber die Gier Einzug und von Verantwortung gegenüber der Gesellschaft als Ganzes ist man immer weiter weggekommen. Man glaubte, dies sei nicht mehr nötig, da die Infrastruktur und die Mittelschicht ja da waren. Nun, beides ist derzeit am Vergammeln, sei es aus Mangel an Geld oder an Ingenieuren. Heute kann ein Mann (oder eine Frau) eben _nicht_ mehr die ganze Familie problemlos ernähren und sich ein Haus bauen. Dazu müssen schon beide Elternteile arbeiten (mit Überstunden) und kommen auch so kaum über die Runden. Ein Haus kann man höchstens noch erben oder mit geerbtem Geld bauen.

Lasst Euch nichts vormachen! Die Angst, die diese wohlsituierten Herren verbreiten wollen, ist ihre eigene! Sie wissen, dass Atomausstieg, Vernunft und soziales Denken über die eigenen Interessen hinaus heute problemlos Mehrheiten erzielen kann (tja, das ist eben der Preis, den ein gebildetes Volk fordert). Dies steht ihren eigenen Interessen natürlich diametral entgegen. Wehrt Euch, lasst Euch nicht das Recht nehmen, gegen solche Pläne das Referendum ergreifen zu dürfen!

[1] http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Starker-Franken-SVP-und-FDP-fordern-Einschnitte-beim-Staat-/story/22486934
[2] http://www.bloomberg.com/apps/news?pid=newsarchive&sid=ah0AFa2SEHhw
[3] http://www.wirtschaft.ch/Die+Grossverdiener+der+Schweiz/249736/detail.htm
[4]http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/03/04/blank/key/lohnentwicklung/nach_branche.html
[5] http://www.news.ch/JUSO+beschliessen+Managerlohn+Initiative/377521/detail.htm