Nachdem Sony alle (auch meine) Kundendaten schlechter als gebrauchtes Toilettenpapier bewacht hat, kann ich leider nicht mehr über die iPhone-Fanboys lächeln, die sich bereitwillig von ihrem Big Daddy überwachen lassen. War es dumm von mir, einem kapitalgeilen Grosskonzern auch nur ein Bit von meinen persönlichen Daten anzuvertrauen? Hell, yes! Das sollte für uns alle die letzte Lektion gewesen sein: Keine Konsole mehr kaufen, die einen Account von mir will, damit ich spielen kann. Leider schliesst das alle derzeitigen Konsolen aus, bis auf die Wii.
Und der nächste Schlag kam kurz darauf: Delicious wird geschlossen?! WTF, Yahoo behandelt einmal mehr seine Kunden wie Dreck! Hunderttausende Benutzer (darunter mal wieder ich) haben nur noch diese Bookmarks und sind auf sie angewiesen. Man hat zwar die Möglichkeit, die Bookmarks auf den neuen Hüter AVOS zu transferieren, aber dies passiert mit gemischten Gefühlen, wenn man liest, wer AVOS ist (Auszug aus dem offiziellen Mail von Yahoo):
AVOS is a new Internet company founded by Chad Hurley and Steve Chen who, in 2005, founded YouTube, the world’s largest online video platform. Before YouTube, Hurley and Chen were early employees at PayPal, a leading online payment service that is now part of eBay. Delicious will become a part of AVOS, based in San Mateo, California.
Hmm…höchste Zeit, die Exportfunktion zu benutzen, nur habe ich dann im Browser 1000 unsortierte Bookmarks!
Es ist schon hart für einen Late Adopter wie mich zu sagen: Seid noch viel vorsichtiger als vorher, wie weit Ihr Euch auf Internet-Dienste verlasst. Kleinste Unrentabilitäten (natürlich kann man mit Social Bookmarks nicht viel verdienen, was hat Yahoo denn eigentlich erwartet?) und Marktschwankungen können selbst grösste und weitverbteitete Dienste zum Erliegen bringen von Heute auf Morgen. Die übliche Warnung ¨gebt nicht jedem Eure Daten” kennt man schon zur Genüge, nur muss man sie nun auf _alle_ Firmen ausweiten, auch und insbesondere auf die Grössten. Die Datensicherheit ist eher selten gewährleistet, da entweder die Projektleiter oder die Administratoren absolute Pfeifen suboptimal ausgebildet sind.
Auch meine Cloud-Daten werde ich überdenken müssen, die Daten werden zwar verschlüsselt übertragen, aber über ihre Speicherung weiss ich nichts Genaues. Zum Glück sind sie jeweils lokal vorhanden, da sie über ein Programm synchronisiert werden. Und bedenkt man dann noch Google-Mail, Google-Kalender, Rememberthemilk.com etc. macht man auch wieder Gedanken, ob nicht eine Low-Tech-Lösung langfristig das Beste wäre. Es gilt auch hier: Haltet immer einen 16- oder 32GB USB-Stick bereit.
Mein Fazit ist allerdings nicht so frustrierend, wie man zuerst denkt: Selbständigkeit und Unabhängigkeit von externen Dienstleistern ist wieder vermehrt gefragt. Dazu braucht es nun mal etwas Know-How und vor allem Spass am Selbermachen. Dafür kann man sich solchen Ärger künftig eher ersparen. Man muss sich etwa zwingen, sich bei jedem benutzten Internet-Dienst zu überlegen, ob man die Daten überhaupt exportieren kann und ob ein Rettungsboot existiert, falls das Schiff sinkt.
NACHTRAG: Da wir gerade beim Thema sind: TomTom und die Unesco achten neben Apple derzeit auch sehr auf die Kunden-, Nutzer- und Bewerberdaten. Schöne neue Facebookwelt eben…
Man wird irgendwie den Verdacht nicht los, dass es mittlerweile sehr viele Datenbanken und Applikationen aber nur sehr wenige fähige Administratoren dafür gibt.
[4] http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0%2C1518%2C759538%2C00.html
[5] http://www.heise.de/mac-and-i/meldung/Wirbel-um-Aufzeichnung-von-Ortungsdaten-im-iPhone-1231573.html