So titelte der Tagesanzeiger in einem Artikel. Die Zahlen beruhen auf einer Schätzung des Vereins ICT-Berufsbildung. Mal abgesehen davon, dass ich die Zahlen für unrealistisch halte (wenn alle Zahlen der letzten Wochen stimmten, fehlten in ganz Europa ca. 1 Million IT-Fachkräfte und auf der ganzen Welt 3 Millionen…), muss man sich sicherlich etwas mehr Gedanken zu den Ursachen machen, als nur die Verunsicherung der geplatzten Dotcom-Blase der Jungen zum Vorwand zu nehmen. Denn natürlich wissen die 16jährigen heute nicht viel von der Krise 2001 respektive haben diese nicht mitbekommen. Auch wenn vielleicht die Eltern hier Einfluss nehmen, erklärt das nicht diesen Mangel. Ausserdem nimmt laut Statistik die Anzahl der Informatiklehrlinge stetig zu. Und alle, die in der Ausbildung tätig sind wissen, dass die Lehrlinge mit 19 erstmal ins Militär müssen und ihnen dann die nötigen 5-10 Jahre Praxis fehlen, um voll Einsatzfähig zu sein. Die Stelleninserate (es sind offenbar nicht ganz 30000…) reden dann von gesuchten gut ausgebildeten (sprich studierten) Informatikern mit 10 Jahren Erfahrung, die nicht älter als 23 sein dürfen, damit nicht mehr als 60000 Jahresgehalt bezahlt gefordert werden. Flexibilität bezüglich Nacht- und Wochenendarbeitszeiten, Freude an unbezahlten Überstunden und Verlust des Privatlebens gehören genauso zu den Anforderungen wie auch das Nomadentum, damit man heute in Zürich, morgen in Bern und übermorgen in Düsseldorf arbeiten kann. Ein fester Wohnsitz wäre da wohl störend. Was ich hier etwas überspitzt ironisch dargelegt habe, ist in einigen Schattierungen aber durchaus anzutreffen. Jedes zweite Inserat für Informatiker redet in der Tat von “Bereitschaft für Pikettdienst und Wochenend- und Nachteinsätzen”. Ich weiss aus eigener Erfahrung, dass man dies vielleicht mit 25 macht, aber spätestens nach ein paar Jahren hat man die Nase voll und will normale Arbeitszeiten oder diese sogar selbst bestimmen, denn man verliert durch Nacht- und Wochenendarbeit den Bezug zur Gesellschaft (ein unterschätztes Problem, aber es betrifft ja nur die “Unterschicht”).
Und da fragen sich die Spezialisten nun allen ernstes, warum diese Berufsgattung für Männer und vor allem Frauen nicht attraktiv ist? Google und einige andere Unternehmen haben das Problem wenigstens teilweise erkannt und versuchen mit allen Mitteln wenigstens Abgänge zu verhindern, wenn man schon nicht genügend Nachwuchs findet.
Um dieser personellen “Unterdeckung” wirklich etwas entgegenzusetzen, gäbe es meiner Ansicht nach genügend Ansätze:
- - Flexiblere Arbeitsmodelle: Es ist immer noch unheimlich schwierig, von Voll- auf Teilzeit zu wechseln, auch wenn die Unternehmen stolz über die PR-Abteilung verbreiten, dass sie flexible Arbeitszeiten zulassen würden.
- - Überzeitregelungen: Die Überzeit muss anständig vergütet werden, am besten wird sie aber prinzipiell vermieden (viele denken heute fatalerweise, dass das Nichtaufschreiben von Überzeit etwas nützen würde)