“Der Schweiz gehen die Informatiker aus”

Posted by Chris on Februar 16, 2011

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So titelte der Tagesanzeiger in einem Artikel. Die Zahlen beruhen auf einer Schätzung des Vereins ICT-Berufsbildung. Mal abgesehen davon, dass ich die Zahlen für unrealistisch halte (wenn alle Zahlen der letzten Wochen stimmten, fehlten in ganz Europa ca. 1 Million IT-Fachkräfte und auf der ganzen Welt 3 Millionen…), muss man sich sicherlich etwas mehr Gedanken zu den Ursachen machen, als nur die Verunsicherung der geplatzten Dotcom-Blase der Jungen zum Vorwand zu nehmen. Denn natürlich wissen die 16jährigen heute nicht viel von der Krise 2001 respektive haben diese nicht mitbekommen. Auch wenn vielleicht die Eltern hier Einfluss nehmen, erklärt das nicht diesen Mangel. Ausserdem nimmt laut Statistik die Anzahl der Informatiklehrlinge stetig zu. Und alle, die in der Ausbildung tätig sind wissen, dass die Lehrlinge mit 19 erstmal ins Militär müssen und ihnen dann die nötigen 5-10 Jahre Praxis fehlen, um voll Einsatzfähig zu sein. Die Stelleninserate (es sind offenbar nicht ganz 30000…) reden dann von gesuchten gut ausgebildeten (sprich studierten) Informatikern mit 10 Jahren Erfahrung, die nicht älter als 23 sein dürfen, damit nicht mehr als 60000 Jahresgehalt bezahlt gefordert werden. Flexibilität bezüglich Nacht- und Wochenendarbeitszeiten, Freude an unbezahlten Überstunden und Verlust des Privatlebens gehören genauso zu den Anforderungen wie auch das Nomadentum, damit man heute in Zürich, morgen in Bern und übermorgen in Düsseldorf arbeiten kann. Ein fester Wohnsitz wäre da wohl störend. Was ich hier etwas überspitzt ironisch dargelegt habe, ist in einigen Schattierungen aber durchaus anzutreffen. Jedes zweite Inserat für Informatiker redet in der Tat von “Bereitschaft für Pikettdienst und Wochenend- und Nachteinsätzen”. Ich weiss aus eigener Erfahrung, dass man dies vielleicht mit 25 macht, aber spätestens nach ein paar Jahren hat man die Nase voll und will normale Arbeitszeiten oder diese sogar selbst bestimmen, denn man verliert durch Nacht- und Wochenendarbeit den Bezug zur Gesellschaft (ein unterschätztes Problem, aber es betrifft ja nur die “Unterschicht”).

Und da fragen sich die Spezialisten nun allen ernstes, warum diese Berufsgattung für Männer und vor allem Frauen nicht attraktiv ist? Google und einige andere Unternehmen haben das Problem wenigstens teilweise erkannt und versuchen mit allen Mitteln wenigstens Abgänge zu verhindern, wenn man schon nicht genügend Nachwuchs findet.

Um dieser personellen “Unterdeckung” wirklich etwas entgegenzusetzen, gäbe es meiner Ansicht nach genügend Ansätze:

  • - Flexiblere Arbeitsmodelle: Es ist immer noch unheimlich schwierig, von Voll- auf Teilzeit zu wechseln, auch wenn die Unternehmen stolz über die PR-Abteilung verbreiten, dass sie flexible Arbeitszeiten zulassen würden.
  • - Überzeitregelungen: Die Überzeit muss anständig vergütet werden, am besten wird sie aber prinzipiell vermieden (viele denken heute fatalerweise, dass das Nichtaufschreiben von Überzeit etwas nützen würde)
[1] http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/konjunktur/Der-Schweiz-gehen-die-Informatiker-aus/story/28081354

Wie (über)lebt man als Geek während dem Teilzeitstudium?

Posted by Chris on Februar 07, 2011

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Durch das Teilzeitstudium und den damit verbunden Geld- und Zeitmangel wird der Einfallsreichtum eines Geeks enorm gefördert. Schliesslich will man nicht die gesamten Ersparnisse in einem Jahr verdampfen müssen. Man muss sich besser organisieren, kann nicht einfach mal schnell einen Tablet-PC für eine Präsentation kaufen, das Notebook sollte 5 Jahre halten, bis das Studium fertig ist etc. etc.

Ausgehend von einem Teilzeitstudium (mit 60-80% Teilzeitstelle) und Mietkosten von ungefähr 40% des Bruttolohnes können folgende Punkte sicher behilflich sein, trotzdem ein gutes Leben ohne Hungergefühle zu führen:

Finanztipps:

1.) Kaufe nur ausgereifte Gadgets mind. der 2. Generation. Ersparnis: Ca. 2’000 Euro pro Jahr: Wie schon mehrfach erwähnt, bin ich ein “Late adopter”: Ich beobachte neue Gadgets oder gar Geräteklassen am Anfang mit Skepsis und warte meist die zweite oder dritte Generation ab. Das hat den Vorteil, dass die Geräte günstig, ausgereift und gut unterstützt sind. Nachteil: Geek-Faktor nicht so hoch wie wenn man der erste Importeur für ein superheisses Teil aus Japan ist…

2.) Essen wie die Armen im 18. Jahrhundert. Ersparnis: Ca. 300 Euro im Monat (ausgehend von den Lebensmittelpreisen der Schweiz). Als Vegetarier spart man zusätzlich nochmals etwa 100 Euro.  Man soll sich nicht geisseln, aber wenn man wie ich gerne auch mal nur eine Schüssel Reis oder arme Ritter isst (die sind richtig gemacht ein sehr günstiges Festmahl). So kann man sich trotzdem einmal wöchentlich ein gutes Restaurant leisten immer zu rechnen.

3.) Strom sparen. Ersparnis: Ca. 20-40 Euro im Monat. Als Geek hat man hier den Vorteil, auf LED abzufahren und in der Lage zu sein, den Heimserver per Wake-On-Lan zu starten (kommt auch die Netzwerkkarte an) anstatt ihn 24 Stunden heizen zu lassen, wenn man ihn dann doch nur 30 Minuten lang braucht.

4.) Gratis Mobil surfen: Der e-Reader Kindle von Amazon (nein, ich bekomme leider kein Geld für die Werbung) hat neben seinen Qualitäten noch einen ganz besonderen Nebeneffekt: Man kann damit gratis surfen via WLAN/3G/UMTS/GSM, die SIM-Card ist eingebaut und der Browser ist durchaus brauchbar. Da es von Seiten wie Gmail, Wikipedia, leo.org, gutenberg.org etc. Mobil-Versionen gibt, surft man sogar überraschend flott damit.

5.) Gratis SMS für Termine: Mit Google-Calendar kann man sich für Termine kostenlos SMS  schicken lassen. Wie man diesen “Service” für private SMS an beliebige Personen nutzen kann, müssen wir wohl noch austüfteln.

6.) Investiere in Aktien von Firmen, die Du sehr gut kennst: Wenn Du Ersparnisse von Deinem Berufsleben vor dem Studium hast, investiere so 20’000 Euro in Firmen, die Du wirklich gut kennst respektive von denen Du genau weisst, was sie tun. Bei mir war das z.B. Redhat und der Gewinn in einem Jahr finanzierte mir fast 3 Monatsmieten! Natürlich auch ein bisschen Glückssache. Aber bitte immerdaran denken: Nur Abschaum investiert in Lebensmittel!

Organisationstipps:

1.) Nutze eine Online-Festplatte (ich nehme das C-Wort lieber nicht in den Mund, das machen die Krawattenträger schon zur genüge): Dies ist zwar aus diversen Gründen etwas heikel (Privatsphäre, Datendiebstahl), aber wenn man sich den Anbieter gut aussucht und sensible Daten selber verschlüsselt (wie man es bis anhin auf den USB-Sticks machte), sollte das ein gangbarer Weg sein. Die Kosten (ca. 20 Euro für 100 GB je nach Anbieter) rechnen sich, weil man auf Sicherheitskopien, USB-Key-Rumschleppen usw. endlich verzichten kann. Wenn man wirklich einmal seine Daten braucht und an einem PC ohne Internet-Anschluss sitzt, muss man sich ohnehin andere Fragen stellen…

2.) Mache ein Organisationssystem: Das Ziel von allen Organisationssystemen (ich nutze beispielsweise GTD) ist zu wissen, was man als nächstes Tun soll. Eine unschätzbare Hilfe, wenn man arbeitet und gleichzeitig studiert. Rememberthemilk.com und Google-Services (Kalender, Mail) leisten hier sehr gute Dienste.

3.) Verliere Dich selbst nicht: Man ist manchmal geneigt, das ganze Privatleben inkl. Freunde und Familie zu vernachlässigen, weil man glaubt, jede Minute fürs Studium nutzen zu müssen. Tu das nicht! Man schreibt keine (viel) besseren Prüfungen (und wenn, dann ist es auch egal beim heutigen Modulsystem). Man kann sogar davon ausgehen, dass der fehlende Ausgleich die Semesternoten negativ beeinflusst. Also: Treibt weiter Eure bevorzugten Sportarten / Meditationstechniken etc. und haltet die sozialen Kontakte aufrecht. Durch gute Planung (siehe Punkt 2) hat man in der Regel genug Zeit, um sich zumindest die Minimalnote zu sichern.

4.) Nutze Deine Fähigkeiten mit dem Computer. Viele wissen es vielleicht nicht mehr, aber der Computer soll Zeit sparen anstatt verbrauchen. Also lautet das Motto: Automatisieren, Automatisieren, Automatisieren. Das kann via Onlineservices und/oder mit Skripten gemacht werden (Auto-SMS, Auto-Mails). Der Phantasie sind keine grenzen gesetzt.

Mit Vernunft lässt sich nichts mehr machen… 2

Posted by Chris on Februar 02, 2011

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Offenbar wird auch die Waffen-Initiative scheitern, so sinnvoll sie auch wäre. Es scheint irrelevant, dass es wirklich kein einziges sachliches Argument gegen sie gibt. Sie wäre ein Fortschritt gewesen, eine Chance, moralische und ethische Stärke zu zeigen. Nur scheinen wissenschaftlich fundierte Argumente bei der Schweizer Bevölkerung nicht zu unbedingt zu ziehen. Man lässt sich lieber mit Angst und Hass steuern, wäre die Initiative nur gegen Waffen für Nicht-eingeborene Schweizer gewesen, sie wäre mit grossem Mehr angenommen worden, es wäre dann “vernünftig” gewesen. Der grosse Vorwurf geht eigentlich wiedermal an die Initianten resp. die unterstützenden Parteien (in erster Linie die SP), die in unglaublicher Naivität an den Sieg der Vernunft glauben. Wenn Ihr jetzt nicht langsam in die Gänge kommt, verliert Ihr (mal wieder) eine Initiative. Das mag nicht schlimm erscheinen, aber spätestens beim nächsten Familiendrama dürfen sich alle etwas vorwerfen, nicht auszudenken…

Ich hoffe, ich täusche mich und die Schweizer sind vernünftiger, als ich annehme, aber die beste Strategie ist noch immer: Das schlimmste erwarten und das beste hoffen.

[1] http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Gegner-der-Waffeninitiative-holen-auf/story/24907821