
Obwohl gerade erst der Fedora 11-Löwe in die freie Wildbahn entlassen wurde, dachte ich mir, „den sollen andere testen“. Da Fedora sowieso auf den meisten meiner Maschinen läuft, wäre ich ohnehin befangen.
Dem einsteigerfreundlichen PCLinuxOS die Basis bietend steht Mandriva schon seit über einem Jahr auf meiner Wunschliste zum Testen.
Zurzeit (nicht zuletzt dank dem neuen Release) auf Platz 6 von Distrowatch finden wir Mandriva, welches noch bis ca. 2005 Mandrake hiess. Mehr zur Herkunft, Geschichte und viele Details zu dieser großen Distribution sind in Wikipedia zu finden. So kann ich mich gut auf die Details konzentrieren, welche Mandriva von anderen Distributionen abhebt. Und das sind schließlich immer noch genug.
Herkunft / Ursprung
Gem. Wikipedia und der Linux-Distributions-Geschichtstafel wurde Mandriva (dass vor einem Namenskonflikt eben noch Mandrake hiess) von Redhat abgeleitet (genauer: 1998 von Gaël Duval). Diese Herkunft ist ja bereits ein gutes Zeichen.
Wichtigste Daten in Kürze:
- Homepage: http://www.mandriva.com
- Businessmodell: Verkauf von div. Server- und Desktopversionen, auch USB-Sticks
- Ungefähre Grösse der Vollversion als ISO-Image: 690 MB
- LiveCD Funktion: Ja
- Sprachen: Div. Übersetzungen
- Abgeleitet von: RedHat
- Kernel: 2.6.29
- Package-Management: rpmdrake (grafisch) und urpmi (CLI)
- Paketformat Standard: RPM
- Release-Zyklus: Ungefähr nach Jahreszeiten (z.B. „Spring Edition“)
- Standarddesktop: KDE
- 3D-Desktop / Desktopeffekte: In Kwin integriert (Standard seit KDE 4)
- Kosten für Updates und Support: Je nach Lizenz der kommerziellen Version ab 49 Euro. Keine Kosten (Wiki, Foren) für die freien Versionen
- Lizenz: Grösstenteils GPL V.2. Unfreie Software in den kommerziellen Versionen enthalten
- Dokumentationen: http://doc.mandriva.com/
- Forum: http://forum.mandriva.com/
- Wiki: http://club.mandriva.com/xwiki/bin/view/KB/
- Bugtracker: Bugzilla => https://qa.mandriva.com/
- Mitmachen: http://www.mandriva.com/en/community/start
Besonderheiten dieser Version
- MSEC Sicherheitspaket
- Zentrale Konfiguration mit drakconf und den draktools
- Schnelle Updates durch Delta-RPM’s
Erster Eindruck vom Desktop
Auch Mandriva schliesst sich dem allgemeinen Trend zur Einfachheit auf dem Desktop an. Die Schriften und die Kontrollleiste sind in der Standardeinstellung etwas zu klein für kurzsichtige Benutzer. Die feine Auswahl an Extra-Plasmoiden gefällt mir. Man merkt, dass die Mandriva-Designer den Wechsel von KDE 3 zu 4 sehr sanft machen wollten, denn es sieht auf den ersten Blick eher wie eine 3er Version aus.
Prinzipiell zu KDE 4.2 noch ein paar Anmerkungen: Dank den Features und der Stabilität (endlich) von KDE 4.2 in der Grundinstallation lässt es nun meines Erachtens auch MacOSX hinter sich (bei passenden Grafikkartentreibern umso mehr). Die noch vorhandenen Bugs (Semantischer Desktop, Plasma-Activities, automatische Plasmoideninstallation) werden durch die standardmäßig vorhandenen Features (PowerDevil, SVN-Integration, Unterstützung von verschlüsselten Partitionen und USB-Sticks im Dateimanager Dolphin) mehr als ausgeglichen. Auch die Plasmoiden-Entwicklung in der Community nimmt jetzt an Fahrt auf, es wird künftig sicher noch viele tolle Spielzeuge mehr geben
Es wird endlich Zeit, einmal selber so ein Ding zu programmieren, was ich mir schon seit über einem Jahr immer wieder vornehme. Ich finde es erstaunlich, wie sehr man KDE4 visuell verändern kann auch ohne spezielle Kenntnisse, was es den Distributoren ermöglicht, eindeutige Merkmale bereitzustellen bei maximaler Portierbarkeit. Das war natürlich auch schon bei den Vorgängern so, aber nicht in dem Masse wie heute. Soviel also zu KDE unter Mandriva, bitte entschuldigt die Abschweifung.

Leider wird die Freude am aufgeräumten Desktop etwas getrübt durch Icons wie „Herzlich Willkommen“, „Join Mandriva“ und gar „Upgrade to Powerpack“, gerade letzteres ist in einer reinen Community-Version ein Unding, aber wir wollen mal nicht zu pingelig sein, denn wie bereits erwähnt hat Mandriva auch kommerzielle Distributionen im Programm und dadurch natürlich auch ein bisschen kommerzielle Interessen.
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