Shellskripte müssen nicht zwangsläufig an die Shell in der Konsole gebunden sein. Sie können auch ansprechend verpackt werden für Otto Normaluser. Dazu gibt es verschiedenste Ansätze. Einer der modernsten und flexibelsten ist kdialog unter KDE4. Das Besondere an kdialog ist seine Fähigkeit zur Interprozess-Kommunikation (IPC) via DBus. DBus wurde von freedesktop.org entwickelt und ist mittlerweile bei fast allen Distributionen standardmäßig vorhanden. In KDE 3 kam dafür das KDE-eigene DCOP zum Einsatz. Noch früher in KDE 1 wurde eine Corba-Implementiereung verwendet. Beide Lösungen waren jedoch zu gross und umständlich.
Mein Beispielskript hier zeigt, wie man einen Fortschrittsbalken implementiert, welcher via DBus vom laufenden Shellskript gesteuert werden kann. Natürlich kann man via DBus noch viele weitere mehr oder weniger nützliche oder witzige Dinge machen mit dem jeweiligen Dialog, wie z.B. den Titel und Inhalt laufend verändern etc.
Solche Skripte müssen übrigens nicht auf KDE beschränkt sein. Es sollte schon mittels installierten kdelibs und natürlich kdialog möglich sein, dieselben unter Gnome, XFCE etc.laufen zu lassen, obwohl dort der Einsatz von zenity (GTK-basiert) eher angebracht wäre. Zenity ist praktisch in jeder Distribution installiert. Nur Leider fehlt dort der Progress-Callback resp. die Interprozess-Kommunikation. Zenity’s Progressbar ist dadurch eher eine simple Aktivitätsanzeige. Allen Alternativen zu kdialog ist gemein, dass sie die erwähnte Progressbar lediglich indirekt implementieren, z.B. indem sie die Prozentwerte des Balkens entgegennehmen oder die Aktivität während einer Operation anzeigen, Beispiel:
find /usr/bin | zenity --progress --pulsate
Durch die Verwendung von DBus können wir vielleicht bald auf eine wirklich Desktopunabhängige Lösung hoffen, indem z.B. auch zenity die Dialoge über DBus ansteuerbar macht…
Natürlich halten damit auch wieder die sleep-Anweisungen Einzug, damit nicht alle Text vorbeihuschen. Sie verlangsamen den Ablauf zwar insgesamt, aber bei einem Prozedur wie “USB-Stick entschlüsseln und einhängen” ist dies meines erachtens vernachläßigbar zu gunsten der Lesbarkeit der Infotexte.
#!/usr/bin/env bash # TODO: Dieses Skript sollte durch das udev-System aufgerufen werden # siehe dazu /etc/udev/rules.d/90-crypto-usb-stick.rules USER=myuser DEVICE=/dev/usbstick MAPPERDIR=/dev/mapper/crypto_usbstick MOUNTDIR=/media/crypto_usbstick dbusRef=$(kdialog --title "Crypto-USB-Stick aktivieren und einhängen" --progressbar "Starte..." 2) sleep 1 if ! kdialog --password "Bitte Passwort für Crypto-USB-Stick eingeben:" | cryptsetup luksOpen $DEVICE ${MAPNAME}; then kdialog --error "Konnte das Cryptodevice nicht erstellen! Vermutlich falsches Passwort eingeben?" qdbus $dbusRef org.kde.kdialog.ProgressDialog.close exit 1 fi sleep 1 qdbus $dbusRef org.kde.kdialog.ProgressDialog.setLabelText "Verzeichnis $MOUNTDIR wird gesucht" if [ ! -e $MOUNTDIR ]; then qdbus $dbusRef org.kde.kdialog.ProgressDialog.setLabelText "Verzeichnis $MOUNTDIR wird erstellt" mkdir $MOUNTDIR fi qdbus $dbusRef Set org.kde.kdialog.ProgressDialog value 1 sleep 1 qdbus $dbusRef org.kde.kdialog.ProgressDialog.setLabelText "Cryptodevice wird nach $MOUNTDIR eingehängt" if ! mount $MAPPERDIR $MOUNTDIR -orw,user,exec,uid=$USER,gid=$USER; then kdialog --error "Konnte den Crypto-USB-Stick nicht in $MOUNTDIR einhängen!" qdbus $dbusRef org.kde.kdialog.ProgressDialog.close exit 1 fi sleep 1 qdbus $dbusRef Set org.kde.kdialog.ProgressDialog value 2 qdbus $dbusRef org.kde.kdialog.ProgressDialog.setLabelText "Vorgang erfolgreich beendet!" sleep 2 qdbus $dbusRef org.kde.kdialog.ProgressDialog.close
