Quo vadis Canonical (Ubuntu)?

Posted by Chris on September 30, 2008

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Nein, ich schliesse mich nicht einfach dem Canonical-Bashing an, aber Greg Kroah Hartman’s gesammelte Zahlen von Upstream-Kernelpatches der verschiedenen Firmen resp. Distributoren sprechen eine deutliche Sprache. Man muss dazu noch anmerken, dass er mittlerweile die Zahlen für Canonical nach oben korrigiert hat. Aber auch die hundert Patches zwischen Version 2.6.15 und 2.6.27-rc6 sind immer noch sehr wenig im Vergleich zu über elftausend von Redhat und über siebentausend von Novell.

In’s Rollen gebracht hat die Diskussion meines wissens Dave Jones mit einem Blog-Eintrag. Er reagierte damit auf eine Aussage von Canonical-Gründer Mark Shuttleworth in einem Interview mit dem standard.at, wo er sagt, dass es doch schön wäre, wenn alle Distributionen den angepassten Ubuntu-Kernel nehmen, da er doch so viele Hardware unterstütze. Greg’s Kroah-Hartman’s erster Vortrag bei einer Google-Veranstaltung und seine aktuelle Keynote auf dem “Linux Plumbers Conference” vom diesjährigen “Kernel Summit” mit den korrigierten Patch-Zahlen für Canonical setzten das Ganze fort.
Aus der Sicht der Kernel-Entwickler ist dies ein klares Missverhältnis zwischen dem in der Opensource-Szene üblichen Geben und Nehmen, was ich absolut verständlich finde.
Greg hat in seiner Keynote deutlich veranschaulicht, dass ein fehlender Upstream-Prozess, wie es bei CentOS beispielsweise der Fall ist, auch für den Benutzer mittelfristig nichts Gutes bringen wird.
Natürlich gab es kurz darauf entsprechende Gegenreaktionen von Ubuntu-Mitarbeitern.
Die Diskussion geht mittlerweile auf LWN weiter, es gibt auch Artikel, welche Canonical in Schutz nehmen vor ungerechtfertigtem Bashing. Jonathan Corbet hat darin ebenfalls Recht, wenn er meint, dass jede Distribution (meist zurecht) mit Kritik eingedeckt wird:

It is interesting to note that there appears to be a special place for distributors among those who would criticize. Red Hat, it has been said, drives things toward its own profit and has, in the past, pushed far too much bleeding-edge software on its long-suffering users. Fedora is accused of remaining insufficiently open, excessively bleeding-edge, and refusing to make the watching of flash videos just work. Novell/SUSE has done a deal with the devil. Debian, we are told, is simultaneously too chaotic and too bureaucratic, and it can never get a release out on time. Some charge that Gentoo’s community is dysfunctional, and that, in any case, it’s made up of people with too much time on their hands. And Ubuntu stands accused of taking the work of others while failing to give back to or even credit the community from which draws its software.

Mein persönliches Fazit: Es ist wichtig, dass diese Diskussion geführt wird, um den Unterschied zwischen Distributionen (Debian, Redhat, OpenSuSE, Fedora, …) und Re-Distributionen (CentOS, Ubuntu, …) zu sehen. Somit wird auch der Fokus wieder etwas zurechtgerückt, wer denn nun wirklich etwas für die gerngenannte Community macht und wer eher weniger. Letztendlich muss hier Canonical für alle Redistributoren (Mandriva, Xandros, …) als Prügelknabe herhalten, dies dürfte mittlerweile klar sein. Dennoch ist die Kritik gerechtfertigt, schliesslich handelt es sich um eine Firma, die letztendlich mit Linux ihr Geld verdienen will.

Die Verdienste von Canonical sind dennoch erheblich, wenn auch nicht im Upstream. Die Distribution hat Linux zu einen Verbreitungsschub auf dem Desktop verholfen, den es so noch nicht gab. Genau diese Tatsache wird widerum von einigen eher als Fluch denn als Segen betrachtet, es gibt also noch viel Diskussionsmaterial ;-)

Kompilier’ doch mal wieder

Posted by Chris on September 17, 2008

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Die Karriere eines Linux-Geeks verläuft meistens ähnlich: Als erstes wird ein SuSE (heute wohl eher ein Ubuntu) installiert und man erfreut sich an der einfachen und schnellen Installation und danach an den unzähligen Gratis-Tools. Und dies ohne je einen einzigen Key oder Online-Aktivierung oder Zahlung machen zu müssen (geschweige denn irgendwelche suspekten Cracks einzusetzen). Häufig folgt darauf die Neugier, unter der Haube nachzusehen. Also lernt man viele Systembefehle, etwas Bash-Skripting und schon will man auch das Herz des Betriebssystems selber backen: den Kernel. In diesem doch schon etwas fortgeschrittenen Stadium wechseln viele Benutzer zwischenzeitlich zu Gentoo, denn dort lernt man den Bootstrap-Prozess eines Linux-Systems ziemlich intensiv (auch wenn dies meiner Meinung nach etwas überschätzt wird, denn Gentoo ersetzt keine Grundausbildung in Serveradministration u.ä.)
Danach wechselt man der Stabilität zuliebe zu [bevorzugte Distribution hier einfügen], wo meistens ein relativ aktueller Kernel mit allen benötigen Modulen bereitliegt. Kaum jemand kompiliert heute noch einen Kernel wegen dem Performancegewinn oder der Datei-Grösse. All dies ist bei modernen Desktop und Laptops nicht mehr allzu relevant.
Aber trotzdem backe ich den Kernel ca. seit Version 2.6.25 selbst, zumindest für meine speziellen Maschinen. Dies hat vor allem mit der Qualität von RC-Kerneln zu tun und der Entwicklungsgeschwindigkeit, die sich meiner Laien-Meinung nach merklich erhöht hat. Musste ich für meinen iMac sehr lange warten, bis ich die Soundkarte via Hack zum laufen bekam, wird sie mit Kernel 2.6.27 direkt und korrekt erkannt. Und auch der Thinkpad X61s bedankt sich für aktuellste Intel-WLAN-Treiber (oh ja, denn der alte Zweig war ein _klein_ wenig instabil, Betroffenen wissen, was ich meine). Leider muss ich dort dann auf SE-Linux verzichten, da sich 2.6.27 nicht mit dem angegrauten Fedora 8 verträgt.

Es kann zurzeit also durchaus lohnend sein, wenn man neuere Hardware hat oder speziellere Geräte wie den iMac. Und mit einer funktioniereneden Konfiguration, welche man immer wieder aktualisiert, braucht man dazu effektiv ja nicht mehr als 5 Minuten an der Tastatur zu sitzen.

Ach ja, hier noch die Kernel-Konfiguration, wie sie für iMac und Thinkpad funktionieren sollte: kernel-config-26